Digitalisierung im Gesundheitswesen – wo steht Deutschland und sind wir auf dem richtigen Weg?

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Die Zusammensetzung unserer Gesellschaft unterliegt dem demografischen Wandel. Die Verschiebung hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft und Gesellschaftsstruktur stellt eine Herausforderung für unser Sozialversicherungssystem dar. Dieses auf dem solidarischen Grundgedanken basierende System geht davon aus, dass viele junge Beitragszahler die Gesundheitskosten für sich und die älteren Gesellschaftsschichten finanzieren. Nun steht das deutsche Gesundheitswesen vor der Herausforderung, dass zukünftig immer weniger junge Personen immer mehr und älteren Patienten gegenüberstehen. (Bundeszentrale für politische Bildung, 2017)

Darüber hinaus wird die medizinische Versorgung immer besser und damit teurer. Bedingt ist das unter anderem durch den durch Ressortforschung vorangetriebenen medizinischen Fortschritt, den Einsatz neuer Technologien und Medikamente sowie durch steigende Verwaltungskosten im Gesundheitssystem. (Gabler Versicherungslexikon, 2017)

Ein erster lösungsorientierter Ansatz: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen!

Digitalisierung im Gesundheitswesen
Quelle: Pexels

Um den genannten steigenden Anforderungen gerecht zu werden, befassen sich immer mehr Versorgungseinrichtungen, wie zum Beispiel Arztpraxen, mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Digitale Technologien haben nicht zuletzt auch aufgrund der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. So steht mittlerweile Telemedizin wie die Videosprechstunde in vielen Arztpraxen auf der Tagesordnung ganz oben.

Die Anforderungen an das zukünftige Gesundheitswesen wachsen stetig und so ist die zunehmende Digitalisierung von Prozessen sowie der Kommunikation sowohl zwischen den Playern auf dem Gesundheitsmarkt als auch zwischen Patienten und Behandlern unabdingbar, so die Erkenntnis des Hausarztes Stefan Spieren, welcher einen stark digitalisierten Praxisalltag praktiziert.

Die „App auf Rezept“

Digitalisierung im Gesundheitswesen
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Mittlerweile ist der Digitalisierung durch diverse Gesetzesgrundlagen der Weg in die Gesundheitsversorgung geebnet. Beispielsweise ist hier das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) zu nennen, welches Ende 2019 in Kraft trat. Auf dieser Grundlage können neuerdings auch Gesundheits-Apps für das Smartphone oder Tablet von Ärzten verschrieben werden. Diese digitalen Gesundheitsanwendungen müssen im Vorfeld von dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werden. Derzeit sind etwa eine Handvoll digitaler Applikationen für verschiedene Diagnosegruppen genehmigt. Dieser digitale Gesundheitsservice kann unter anderem sehr nützlich sein, wenn es darum geht, Patienten während einer Therapie zu begleiten. Ein klarer Unterschied wird zwischen den digitalen Gesundheitsanwendungen und sogenannten Lifestyle-Produkten gezogen. Medizinische Apps müssen folglich einen klaren Nutzen verfolgen und als Medizinprodukt zugelassen sein, um von Ärzten verordnet und von Krankenkassen erstattet zu werden. Dabei hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hohe Anforderungen hinsichtlich der Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Interoperabilität, des Datenschutzes sowie der Datensicherheit der digitalen Services. (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2020)

Die Telematikinfrastruktur

Digitalisierung im Gesundheitswesen
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Auch das Roll-Out der Telematikinfrastruktur ist derzeit ein weitverbreitetes Thema in Arztpraxen, Krankenkassen, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und bei vielen weiteren Leistungserbringern. Ziel der Telematikinfrastruktur ist es, die Akteure im Gesundheitswesen digital miteinander zu vernetzen und so eine flächendeckende Kommunikation sowie einen aktiven Informationsaustausch zu gewährleisten. Dadurch soll die medizinische Versorgung der Patienten optimiert und effizienter gestaltet werden. Hervorzuheben ist dabei die elektronische Patientenakte, welche die einheitliche Speicherung patientenbezogener Daten, wie Anamnese, Medikamente oder Behandlungsdaten, vorsieht. Die neue Infrastruktur soll außerdem eine weitere Technologie beinhalten, das sogenannte e-Rezept. Damit sollen zukünftig verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie Heil- und Hilfsmittel elektronisch verordnet werden. Diese Innovation schont materielle und finanzielle Ressourcen, optimiert den Versorgungsprozess und vereinfacht die Kommunikation und Abrechnung zwischen Arztpraxen, Apotheken und Physiotherapeuten mit Kostenträgern. (Bundesgesundheitsministerium, 2020)

Datenschutz und Datensicherheit

Selbstverständlich geht mit dem Thema der Digitalisierung im Gesundheitswesen stets die Diskussion bezüglich des Datenschutzes und der Datensicherheit einher. Je detaillierter die Datenlage zu einem Patienten ist, desto ganzheitlicher und optimierter kann die medizinische Versorgung erfolgen, erklärt Michael Bohl (Experte für digitale Prozesse im Gesundheitswesen). Weiter erläutert er, dass besonders zur Entwicklung künftiger Algorithmen, welche beispielsweise innovative Diagnosemethoden mithilfe der Telemedizin sicherstellen könnten, die Auswertung aller patientenbezogenen Daten hochinteressant sei. Das größte Risiko im Zusammenhang mit der voranschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen stellt jedoch der Missbrauch dieser Daten dar, wie Bernd Marchlowitz von der AOK Nord-West darlegt. Aus diesem Grund müssen sie besonders geschützt werden.

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens im internationalen Vergleich

Viele europäische Nachbarländer sind Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung im Gesundheitswesen schon mehrere Schritte voraus und nutzen beispielsweise die elektronische Gesundheitskarte oder das e-Rezept bereits seit vielen Jahren. (Ärzteblatt, 2018)

Bei der eingeführten „App auf Rezept“ handelt es sich allerdings um eine Weltneuheit in der modernen Gesundheitsversorgung und die Bundesregierung erhofft sich dadurch einen Sprung nach vorne im internationalen Ranking eines am weitest vorangeschrittenen digitalen Gesundheitswesens.

Die Hoffnung ist groß, dass die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen endlich Zugang gefunden hat und diese die kommenden Jahre ausgebaut wird. Dadurch würde langfristig die Diagnostik und Therapie vereinfacht, der Patient zufriedener und die Kosten reduziert werden.

Erster e-Health Talk der IST-Hochschule zum Thema der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen

Dem Thema der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen widmete sich auch der erste e-Health Talk der IST-Hochschule am 17. November 2020.

Je ein Vertreter der Krankenkassen, Ärzteschaft sowie Softwarehersteller diskutierten Chancen sowie Herausforderungen der digitalen Patientenversorgung. Bei der live übertragenen Podiumsdiskussion, ging es besonders um innovative Ansätze, wie zum Beispiel die „App auf Rezept“ sowie die Videosprechstunde in Arztpraxen.

Außerdem wurde während der Talkrunde ein konkreter Zukunftsblick der Experten skizziert, welcher unter anderem die künstliche Intelligenz aufgriff. Aber auch der Ausbau der Telemedizin und des Telemonitorings gehören zu den relevanten Bausteinen der modernen Gesundheitsversorgung, die während der Diskussion fokussiert wurden.
Den gesamten e-Health Talk finden Sie hier.

Eine Kurzfassung der wichtigsten Statements der Redner hier.

Studium mit topaktuellen Themen

Mit dem Fernstudium Management im Gesundheitswesen sowie dem dualen Bachelor Management im Gesundheitswesen erlangen Sie flexibel und praxisnah einen anerkannten akademischen Abschluss mit betriebswirtschaftlicher Ausrichtung. Durch Spezialisierungsfächer wie E-Health und Digitalisierung, vermitteln wir Ihnen von Beginn an wichtiges und aktuelles Branchenwissen. Durch die Option aus verschiedenen Wahlmodulen, können Sie Ihren individuellen Schwerpunkt legen und sich beispielsweise noch detaillierter mit dem Digitalisierungsmanagement im Gesundheitswesen auseinandersetzen.

Quellen

  • Ärzteblatt (2018): Digital Health: Deutschland auf vorletztem Platz im Ländervergleich. Zugriff hier,
  • Bundesgesundheitsministerium (2020): E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen. Zugriff hier,
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2020): Fast Track. Zugriff hier,
  • Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Die demografische Entwicklung in Deutschland. Zugriff hier,
  • Gabler Versicherungslexikon (2017): Medizinischer Fortschritt. Zugriff hier.


Eva Hackenberg hat einen Bachelor-Abschluss in Bewegung und Gesundheit sowie einen Master in Medizinmanagement für Gesundheitswissenschaftler. Nach einigen Praktika in der medizinischen Trainingstherapie und im betrieblichen Gesundheitsmanagement hat sie als Stipendiatin bei einer Krankenkasse und Versicherung sowie als eHealth-Beraterin in einem Unternehmen gearbeitet. Am IST-Studieninstitut leitet sie den Fachbereich Gesundheit & Wellness.

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