Personal-Online-Training als Chance während und nach der Pandemie

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Neue Herausforderungen erfordern neue Lösungen!

Viele Menschen stellt die derzeitige Corona-Krise vor eine massive Belastungsprobe, sowohl physischer als auch psychischer Natur. In Krisensituationen schaffen es Menschen oft nicht, sich emotionale Ruhepausen zu verschaffen, um Klarheit in der Analyse der situativen Umgebungsvariablen zu gewinnen und ihr Verhalten nachhaltig anzupassen. Hieraus resultieren Orientierungslosigkeit, gefühlte Handlungsunfähigkeit und reaktive Übersprungshandlungen.

Menschen bekommen Angst vor der Zukunft.

Auch viele selbstständige oder angestellte Personal-Trainer sind direkt oder indirekt vom Corona-Virus betroffen. Ihr bewährtes Businessmodell wird mit elementaren Veränderungen konfrontiert. Sei es, dass neue Aufträge wegbrechen, bereits bestehende Klientenbeziehungen „on hold“ gesetzt werden, Fitnessstudios auf unabsehbare Zeit geschlossen oder Vereine ihren Betrieb komplett eingestellt haben.

Berufliche sowie allgemeine Lebenspläne müssen aufgegeben und neue müssen geschmiedet werden – unter derzeit noch nicht bekannten Voraussetzungen.

In diesem Blogbeitrag möchte ich herausarbeiten, warum die derzeitig stark emotionalisierte Situation vom Trainer mit kühlem Kopf vor allem als Chance angenommen werden sollte, sein Businessmodell durch Personal-Online-Training zu bereichern und zu ergänzen. Gerade in dieser stressreichen Phase benötigt der Kunde Expertise, um Lösungen für mehr Kraft, Ausdauer und Vitalität geboten zu bekommen.

Die Frage nach technischen sowie organisatorischen Voraussetzungen oder möglichen Veränderungen im Trainingsablauf sind dabei die wichtigsten Fragestellungen, die ich durch meine ganz persönliche Expertise beantworten möchte.

Auch dem Kunden möchte ich einige Antworten rund um das Thema Online-Training bieten. Denn genau in dieser lösungsorientierten Dienstleistung sehe ich weiterhin die wichtigste Daseinsberechtigung für den Personal Trainer.

Was Personal-Trainer jetzt wissen und tun müssen

Das Schöne am Personal-Online-Training ist, dass die Vorteile des eigentlichen Angebotes für die Kunden bestehen bleiben. Viele Wege führen ja bekanntlich nach Rom und Personal Online-Training führt den Kunden einfach über einen bis dato weniger bekannten Weg zur Realisierung seines konkreten Zieles. Genau diesen neuen Weg gilt es, in einem ersten Schritt zu bewerben und für den Kunden transparent sowie interessant zu gestalten. Unterschieden werden sollte hier in Aufklärung von Bestandskunden sowie weiterlaufende Akquise von Neukunden.

Bestandskunden müssen schnell erfahren, dass die individuelle Betreuungsleistung in gewohnter Qualität weitergehen kann und es keiner wesentlicher Änderungen im Prozessablauf bedarf. Wie die Kunden hierüber am schnellsten unterrichtet werden können, sollte jeder Personal Trainer für sich persönlich entscheiden.

Die wichtigste Maßnahme für eine angepasste Werbestrategie zur Neukundenakquise ist die Initialisierung einer vitalen Mundpropaganda durch die Kunden. Nichts wirkt nachhaltiger als die überzeugte Weiterempfehlung innerhalb vertrauter Personenkreise. Eine Alternative zur mündlichen Empfehlung stellt ein kurzes Referenzschreiben zum Personal-Online-Training dar. Diese Referenz kann nach Absprache und Erlaubnis durch den Kunden auf der Website oder den regelmäßig bespielten Social-Media-Kanälen platziert werden. Selbstverständlich sollte die eigene Website auf das neue Angebot hinweisen. Eine Anpassung der E-Mail-Signaturen sowie des Profils in den aktiv genutzten Social-Media-Kanälen ist ebenfalls einfach umsetzbar und wichtig.

Welche Vorteile bietet ein Personal-Online-Training?

Für mich persönlich stellt die Möglichkeit eines individualisierten Online-Trainings lediglich eine Ergänzung meines bisherigen Leistungsportfolios dar. Keinesfalls plane ich, meine physische Betreuung zu ersetzen. Eine virtuelle Betreuung kann jedoch auch nicht zu unterschätzende Vorteile für den Trainer und den Kunden mit sich bringen.

Betreibt der Trainer ein eigenes Studio, in dem er seine Kunden betreut, so sparen diese durch die Online-Alternative Zeit und Geld und haben weniger Stress. Die gewonnene Zeit kann anders genutzt werden. Sei es, um Geld zu verdienen, seinen anderen Hobbies nachzugehen oder sie mit seiner Familie zu verbringen. Darüber hinaus schont er seinen Tank und die Umwelt.

Zudem kann der Kunde den Trainer online buchstäblich mit auf Reisen (geschäftlich wie privat) nehmen. Es wäre zu jeder Zeit ein individualisiertes Training möglich. Der Trainer kann das Training direkt an die jeweilige Umgebung anpassen. Für den Trainer bedeutet das, mehr Planungssicherheit und weniger Verdienstausfall aufgrund von Reisen seitens des Kunden. Der Kunde kann konsequent an seinen Zielen weiterarbeiten und seine Trainingsgewohnheiten können weitergeführt werden, so dass er sich mit hoher Wahrscheinlichkeit leichter an das Online-Training anpasst.

Grundsätzlich empfehle ich mit einem Neukunden einen ersten physischen Termin. Die Möglichkeiten des Screenings sowie der Anamnese sind so derzeit noch detaillierter möglich als virtuell. Für Bestandskunden, die dem Trainer in ihren Bewegungsmustern und mit ihren Potenzialstellen bekannt sind, wäre jedoch auch ein direkter Übergang in ein onlinebasiertes Personal-Training denkbar. Zudem gibt es mittlerweile gute Entwicklungen auf dem App-Markt in Bezug auf Screening-Methoden. Es ist davon auszugehen, dass man zeitnah klassische und allgemein anerkannte funktionelle Bewegungstestungen über Applikationen abbilden und somit auch online einen seriösen IST-Zustand des Kunden erheben kann.

Rein wirtschaftlich betrachtet, eröffnet sich dem Trainer auf Basis des reinen Online-Trainings ein weltweiter Markt. Er kann von jetzt auf gleich, durch die richtige Ansprache, Kunden auf der ganzen Welt generieren. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass er mit Trainern auf der ganzen Welt konkurriert und von potentiellen Kunden bewertet wird. Möchte man als Trainer diesen Weg einschlagen, so sollte man ein wirklich hochwertiges Produkt anbieten, um am Markt langfristig bestehen zu können. Neben einem qualitativ hochwertigen Trainingsangebot, sollte die Website mehrsprachig verfasst sein und zusätzliche „on demand-Produkte“ in hoher Qualität angeboten werden. Zudem empfiehlt es sich einen engmaschig gepflegten Blog anzubieten, um Kundentraffic zu generieren.

Wie sieht die praktische Umsetzung des Personal-Online-Trainings aus?

Je nach Kunde, Betreuungsumfang und Angebot empfehle ich dem Trainer folgende Vorgehensweise:

Der Trainer sollte eine Liste für den Kunden mit Mindestanforderungen an das Trainingssetting erstellen. Beispielhaft möchte ich hierfür Empfehlungen bieten, weise jedoch darauf hin, dass die Spezialisierung des jeweiligen Trainers sowie die Zielvereinbarung mit dem Kunden entscheidend ist.

Neben einer guten und rutschfesten Matte, gehört eine Faszienrolle, ein Triggerball sowie Mini- und Strengthbands zu meiner empfohlenen Grundausstattung. Handtücher sowie Wasser zum Trinken werden vorausgesetzt.

Wichtig ist zudem ein ausreichend sicheres Trainingsumfeld. Es sollte frei von umherliegenden Gegenständen sein, so dass keine unnötigen Verletzungen provoziert werden können. Die Größe des Trainingsumfeldes ist natürlich abhängig vom aktuellen Trainingsprotokoll.

Ebenso sollte der Personal Online-Trainer seine Kunden über die technische Gestaltung der Trainingseinheiten in Form eines Handouts informieren. Der Kunde benötigt wie der Trainer eine gut funktionierende Internetverbindung, um Übertragungsschwierigkeiten auszuschließen. Eine WLAN-Verbindung wäre optimal, eine Wifi-Verbindung mit ausreichend Datenvolumen würde ebenfalls funktionieren. Je höher die Qualität der Kamera ist, desto besser die Erkennbarkeit von Übungsausführungen für den Trainer. Erfahrungsgemäß reichen aber die eingebauten Kameras in einem Smartphone, Tablet, Laptop oder PC vollkommen aus. Um einen optimalen Blick auf die Ausführungen zu gewährleisten, ist die Ausrichtung der Kamera entscheidend. Sowohl Trainer als auch Kunde sollten sich einen Standpunkt suchen, welcher Licht von vorne garantiert und gut ausgeleuchtet ist. Je ruhiger dabei der Hintergrund ist, desto besser kann der Trainer die Bewegungen auf dem Bildschirm beobachten und korrigieren.

Für den Trainer empfiehlt sich die Investition in eine zusätzliche Webcam oder eine portable Kamera mit guter Weitwinkelfunktion. Hierfür hat sich zudem ein einfaches Stativ zur externen Befestigung der Kamera bewährt. Wer zusätzlich noch die Qualität der Audioübertragung optimieren möchte, besorgt sich ein externes Lavalier-Mikrofon. So kann man als Trainer sicher gehen, dass man vom Kunden gut verstanden wird.

Als kostenfreie Trainingssoftware bieten sich FaceTime, Skype oder WhatsApp an. Für den professionellen Trainer und aufgrund zusätzlicher Möglichkeiten wie Aufnahmefunktion und Zuschaltung großer Gruppen, empfehle ich jedoch die kostenpflichtige App Zoom. Der Trainer erwirbt hier einen Account und kann seine Kunden einladen. Diese treten zum verabredeten Termin kostenlos in den virtuellen Trainingsraum ein. Hierfür habe ich ein Handout zur Installation von Zoom für meine Kunden gefertigt, um möglichen Unklarheiten vorzubeugen. Zusätzlich erhalten meine Kunden im Zuge der Vertragsanbahnung mit meinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Kundeninformation zur Verarbeitung von Daten seitens Zoom.

Der direkte Ablauf der virtuellen Trainingseinheit verläuft identisch zu den physischen Einheiten. Es sollte ein wenig Zeit vor und nach der Trainingssession für Begrüßung, Aufbau und Smalltalk eingeplant werden. Für Bestandskunden müssen abhängig davon, wo und wie vorher das Training angeboten wurde, Übungsalternativen durch den Trainer angeboten werden. Es sollte eine entsprechende Flexibilität beim Trainer vorhanden sein. Diese Alternativen können zugleich Möglichkeiten bieten, Basisübungen mit dem eigenen Körpergewicht zu optimieren oder vernachlässigte Einflussmöglichkeiten auf Trainingsreize zu reaktivieren. Die Betrachtungsweise der Situation ist entscheidend.

Ob man als Trainer aktiv mittrainiert oder seinen Fokus auf die prägnante korrekte Übungsdemonstration mit anschließender Übungskorrektur legt, sollte den Fähigkeiten und Qualitäten des Trainers überlassen werden. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man online sein „Cueing“ prägnanter und verständlicher gestalten sollte, um den Kunden in der Bewegungsausführung nicht zu irritieren und abzulenken.

Fazit

Personal-Trainer durchleben derzeit eine verrückte Zeit. Trotz existenzbedrohender Herausforderungen wie temporäres Berufsverbot, Wegfall der Geschäftsräume oder allgemeiner Verunsicherungen bei den Kunden, bieten sich auch riesige Chancen, sich am Markt neu zu positionieren. Personal-Online-Training ist dabei eine Möglichkeit.

Natürlich müssen wir uns erstmal orientieren und das „Krönchen richten“. Kleine Unterstützungen, wie Absicherung der nötigsten Liquidität über entsprechende Antragsstellung von Bezuschussungen sowie Aufnahme von Hilfskrediten bietet uns hierfür der Staat. Dennoch liegt es an uns, das eigene Businessmodell schnell wieder in die Hand zu nehmen und die Zeit nach der Krise aktiv vorauszuplanen. Einfache und zeitgemäße Optionen wie Online-Training bieten dabei zukunftsträchtige Positionierungsmöglichkeiten für Personal-Trainer.

Markus Bremen verantwortet an der IST-Hochschule als leitender Dozent das Modul „Functional Training“. Neben einem breiten theoretischen Fundament lehrt er dabei praktische Fertigkeiten als Grundlage zur Verbesserung und Ökonomisierung alltagsrelevanter und sportartspezifischer Kraftentfaltung. Seit 2014 betreibt er das "move better-Institut" in Köln-Ehrenfeld. Er vereint eine herausragende Trainings- und Therapiekompetenz. Als Schmerztherapeut, Heilpraktiker und Diplom-Sportwissenschaftler mit den Schwerpunkten Prävention und Rehabilitation weiß er ganz genau, woher die kleinen und großen Zipperlein seiner Klienten kommen und wie man sie los wird. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Konzeptionierung maßgeschneiderter Bewegungsprogramme für Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Zudem betreut er Global Player des Sports wie Adidas als sportwissenschaftlicher Experte. Mehr Infos auf Move-better

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