Es geht um die Wurst

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Wieder einmal ist ein Lebensmittel schuldig, dieses Mal die Wurst. Krebs soll man davon bekommen. Schon bei zweieinhalb Scheiben Schinken oder Wurst pro Tag oder einem sehr kleinen täglichen Schnitzel erhöht sich angeblich das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wartete 2015 mit diesen Zahlen auf. Doch worauf stützt sich diese Warnung? Nach Durchsicht von 800 Ernährungsstudien seit dem Jahr 1976 ordnete eine Expertengruppe die Fleischerzeugnisse als für den Menschen krebserregende Gruppe ein. Direkt in guter Gesellschaft mit Asbest, Alkohol, Tabakrauch und Co.

Ist Wurst wirklich so gefährlich?

Hier eine kurze Statistik: Eine Million Menschen sterben jährlich weltweit an den Folgen des Rauchens, 200.000 Alkohol-Opfer sind zu beklagen und auf das Konto von Wurst und Schinken sollen immerhin 34.000 Tote gehen. Die WHO rudert jedoch schon wieder zurück: Es könnte auch nur ein Bruchteil dieser Summe sein. Ja, was denn nun? Die Datenlage sei noch nicht ganz geklärt und wird in ein paar Monaten erwartet.

Ist Wurst ein geschnittener Krebserreger?
Ist Wurst ein geschnittener Krebserreger?

Schuld sein sollen wohl Inhaltsstoffe des Fleischs wie Pökelsalze oder Nitrit, welches konservierende Wirkung bei Brühwürsten hat und die Fleischfarbe erhält. Während die Dauerwürste wie Salami nur getrocknet werden. Müssten dann die Salamisten nicht auch länger leben? Schinkenesser sind eher betroffen, da wird mit Räuchersubstanzen gearbeitet. Dabei bilden sich Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, sogenannte PAKs, die finden sich wiederum auch in Gummilatschen und Schokolade. Also niemals Schinken essen und Flipflops tragen?

Was ist Fakt, was ist Fake?

Fakt ist natürlich, dass ein hoher Fleischkonsum Nachteile hat. Tiere aus Massentierhaltung müssen gesund bleiben, also werden Medikamente und Antibiotika eingesetzt, die essen wir mit. Schlechte Fette, Cholesterin und Purine sind inklusive. Mehr als ein Kilo Fleisch und Wurstwaren verzehrt der deutsche Mann in der Woche, Frauen etwas weniger. Das ist doppelt so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Auch der vermeintliche Veggie-Boom hat keinen Einfluss darauf. Seit ein paar Jahren ist der Fleischkonsum konstant. Bekannt ist auch, dass die Fleischesser einen ungesünderen Lebensstil haben als vegetarisch oder gar vegan lebende Menschen. Diese Dinge finden oftmals in Studien keine Berücksichtigung, obwohl sie die Statistik beeinflussen. Also weiterhin mit gutem Gewissen sich die Wurst nicht vom Brot nehmen lassen?

Mein Fazit

Um es mit den Worten von Herrn Rechkemmer, Deutschlands führendem Ernährungsforscher, zu sagen: Katastrophenmeldungen dieser Art richten eher Schaden an, als dass sie helfen. So machen sich die Menschen noch mehr Gedanken um ihr tägliches Essen und der Genuss rückt in den Hintergrund. Es ist wie immer: Die Dosis macht das Gift. Zwei fleischfreie Tage pro Woche und wenn, dann Fleisch von guter Qualität kaufen. Ein kleines leckeres Steak aus artgerechter Haltung darf es gerne sein.


In der Weiterbildung Ernährungsberatung wird die gesundheitsorientierte Zusammensetzung und Zubereitung von Nahrung vermittelt. Durch die Schulung von Beratungstechniken wird auf die zielorientierte Weitergabe dieses Wissens vorbereitet.

 

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Frau Dr. Bäuerlein hat in München-Weihenstephan Oecotrophologie studiert. Nach ihrem Studium folgte die Promotion an der Uniklinik Heidelberg. Sie ist zudem ausgebildete Fitness-, Rücken- und Personaltrainerin. Seit 2003 ist Frau Dr. Bäuerlein als Dozentin für das IST im Fachbereich Ernährungslehre und -therapie tätig. Sie verfügt über langjährige Erfahrung als Autorin und Journalistin zum Thema Ernährung und ist regelmäßig als Expertin beim ZDF zu sehen. Ihre Praxis in Gevelsberg ist Anlaufstelle für Menschen mit ernährungsabhängigen Krankheiten.

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