Nachhaltigkeit im Tourismus – Muss das sein?!

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Ökologie und Nachhaltigkeit sind zwei Schlagworte, die sich in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens wiederfinden. Auch in der Tourismusbranche geht der Trend immer mehr zu nachhaltigen Urlauben und Reisen, die verstärkt ökologische Aspekte einbinden. Welche Auswirkungen Tourismus auf unsere Umwelt hat und wie wichtig nachhaltiges Reisen ist, erklärt Julia Schachtschneider, Vertriebsleiterin Franchise und Koordination Nachhaltigkeit bei Reiseland.

Nachhaltiges Reisen wird immer mehr zum Trend.

IST: Frau Schachtschneider, wie wichtig ist nachhaltiges Reisen? Julia Schachtschneider: „Tourismus ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf eine intakte Umwelt angewiesen. Eine essenzielle Voraussetzung für den Schutz und Erhalt attraktiver touristischer Destinationen ist ein aktiver Klimaschutz. Oftmals wird Nachhaltigkeit jedoch nur auf diesen Aspekt der Umwelt reduziert. Aus meiner Sicht ist wichtig, dass kein einzelner Aspekt der Nachhaltigkeit isoliert verfolgt werden darf – alle drei Aspekte (Ökologie/Ökonomie & Soziales) sind miteinander verbunden und müssen gemeinsam betrachtet werden. Dies gilt auch insbesondere für nachhaltiges Reisen. Daher schätze ich besonders das Forum Anders Reisen. Die Mitglieder bündeln ihre Kräfte und stellen sich der Verantwortung einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung unter besonderer Einbeziehung der ökologischen und sozialen Belange – hier in unseren heimischen Wirkungsbereichen und auch in den Reiseländern.“

IST: Wer richtet, Ihrer Meinung nach, die größten Schäden an der Umwelt durch den Tourismus an? Schachtschneider: „Betrachtet man den Umweltsektor ist meiner Meinung nach das größte Wagnis die CO₂-Emissionen einzudämmen. Eine Reise besteht in der Regel aus drei Bausteinen: An- und Abreise, Unterkunft und Aktivität und Mobilität vor Ort. Die An- und Abreise machen in fast allen Fällen 75% der CO₂-Emissionen aus. Wenn Kund:innen klimafreundlicher reisen möchten, ist hier somit der größte Hebel etwas zu verändern.“

IST: Was können Unternehmen tun, um nachhaltiger zu werden? Schachtschneider: „Wir stehen hier ganz am Anfang. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Nachhaltigkeit im Leitbild der touristischen Unternehmen verankert und von innen nach außen gelebt wird. Auf dem Weg zum nachhaltigen Wirtschaften werden klar definierte Ziele und Konzepte benötigt, wie diese erreicht werden können. Ein gutes Beispiel ist für mich der Veranstalter „Neue Wege“, bei dem das Thema Nachhaltigkeit grundlegender Bestandteil der Geschäftstätigkeit ist.“

IST: Worauf sollten Urlauber:innen achten, wenn sie nachhaltig reisen möchten?
Schachtschneider: „Klimaneutralität zu erreichen, ist eine wesentliche Zukunftsaufgabe und der Schlüssel einer lebenswerten Umwelt. Viele Reisende möchten ihren Beitrag zur Lösung leisten. Sich vegan zu ernähren, mehr Radfahren und zu Fuß gehen, beim Kauf von Lebensmitteln regional und bio bevorzugen, energieeffiziente Produkte zu nutzen, beim eigenen Wasserverbrauch zu sparen, bei Konsumgütern auf nachhaltige Siegel achten – es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich zu beteiligen, auch im Urlaub. Betrachtet man die Phasen einer Urlaubsreise (vor/während/nach dem Urlaub) möchte ich ein paar Tipps am Beispiel vor dem Urlaub aufzeigen:

Mit ein paar kleinen Maßnahmen, können Urlauber:innen einen großen Beitrag zum Nachhaltigen Reisen leisten.
  • Direktflüge sind besser als Umsteigeverbindungen
  • Empfehlung: Zug zum Flug statt Auto, Taxi & Co.
  • Kompensation des CO2-Fußabdruck der Reise, falls sich ein Flug nicht vermeiden lässt oder Kauf eines Klimaschutzpaketes der QTA (Pilotphase)
  • Nutzen Sie Bahn oder Busse für einen Urlaub innerhalb Deutschlands
  • Digitales Reisen: Bordkarten und andere Reiseunterlagen auf mobile Endgeräte laden
  • Wahl eines nachhaltigen Veranstalters (z. B. Reiseveranstalter des Forums anders Reisen) oder Hotel“

IST: Mittlerweile werden immer mehr Orte/ Kulturstätten etc. zu sogenannten Influencer-Hotspots. Glauben Sie, dass diese den „Overtourismus“ begünstigen und wenn ja, was kann man dagegen tun? Schachtschneider: „Auf den ersten Blick kann es erscheinen, dass sogenannte Influencer-Hotspots „Overtourismus“ begünstigen. Für mich sind Influencer aber auf der anderen Seite eine Chance, den Reisewandel zu begleiten, aufzuklären und somit zu beschleunigen.“

IST: Wie relevant sind Weiterbildungen und Schulungen, um die Tourismus-Branche nachhaltiger aufzustellen?
Schachtschneider: „Die Tourismus-Branche steht hier ganz am Anfang. Für den stationären Reisebürovertrieb empfehle ich das kostenlose DRV-Schulungsmodul zu nachhaltigen Reisen. Wichtig ist es allerdings, mit den Menschen, die in „Schlüsselpositionen“ z. B. am Reisebürocounter arbeiten, in den Dialog zu gehen. Der DRV arbeitet zur Zeit an einem Standard, den ökologischen Fußabdruck auf der Reisebestätigung von Kund:innen, die im Reisebüro buchen, gut sichtbar zu machen. Analog dieser Strategie müssen die Mitarbeitenden geschult und abgeholt werden. Auch das IST-Studieninstitut bietet mit der Weiterbildung „Nachhaltiger Tourismus“ die Möglichkeit, sich mit den immer stärker eingeforderten Aspekten Qualität, Umweltschutz und Klima sowie Kultur und Religion auseinander zu setzen.“

IST: Was ist Urlauber:innen wichtiger? Günstig reisen oder nachhaltig reisen?
Schachtschneider:Das eine schließt aus meiner Sicht das andere nicht aus. Oftmals ist in der Bevölkerung der Glaubenssatz verankert, dass Nachhaltigkeit teuer ist. Diesen gilt es zu entkräften, da z. B. nachhaltige Unterkünfte oftmals zum ähnlichen Preis im Angebot sind. Am Counter gibt es im Preisvergleichssystem Bistro Portal eine Kennzeichnung „das Grüne Blatt“. Hier kann man auf einen Blick sehen, welche nachhaltigen Unterkünfte es z. B. auf Mallorca gibt. Immer öfter kaufen Veranstalter:innen nachhaltige Unterkünfte ein und bieten diesen zu ähnlichen Preisen an.

Ökologische und soziale Verantwortung in der Tourismusbranche wird immer wichtiger. In der berufsbegleitenden IST-Weiterbildung „Nachhaltigkeit im Tourismus“ können sich Mitarbeitende aus der Branche und Quereinsteiger:innen in nur 6 Monaten zu Nachhaltigkeitsexpert:innen weiterqualifizieren. Das Fernstudium startet monatlich. Weitere Informationen gibt es auf unserer Website.

Julia Schachtschneider ist gelernte Reisekauffrau und mittlerweile seit mehr als 20 Jahren Vertriebsleiterin für den Franchise-Betrieb bei der Reiseland GmbH. Dort berät und coacht sie Kunden zu den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten. Zusätzlich setzt sie sich als "Koordinatorin Nachhaltigkeit" für nachhaltigen Tourismus ein.

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