eSports: Zwischen Playstation und Fußballplatz

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eSports boomt. Jedes Jahr im September das gleiche Spiel: Die Menschen klappern die Geschäfte ab und versuchen, möglichst schon einen oder zwei Tage vor dem eigentlichen Release-Termin ihr Exemplar zu bekommen. Und jedes Mal geht es auch um das gleiche Spiel: FIFA. Die Fußballsimulation von EA Sports ist das beliebteste Fußballspiel für PC und Spielkonsolen und erscheint dieser Tage in der aktuellen Version FIFA 19. Dass es dabei aber schon lange nicht mehr nur um Playstation-Abende mit Freunden geht, haben auch die Fußballvereine aus den professionellen Ligen erkannt. Schalke 04, der VfL Wolfsburg und RB Leipzig haben beispielsweise mittlerweile eigene eSports-Mannschaften und mischen bei Turnieren mit eigenen eSports-Profis mit. IST-Master-Student Dennis Lichtenwimmer hat in einer jüngst veröffentlichten Studie das Trendthema „eSports“ und den Bezug zum sowie die Wechselwirkung mit dem echten Fußball untersucht. In diesem Blogbeitrag berichtet Lichtenwimmer von seinen Erfahrungen.

Auch die jüngste Version von EA's FIFA-Reihe lässt die Grenze zwischen Fußball und Fußballsimulation weicher werden.
Auch die jüngste Version von EA’s FIFA-Reihe lässt die Grenze zwischen Fußball und Fußballsimulation weicher werden.

Als Student des ersten Master-Studiengangs „Sportbusiness Management“ an der IST-Hochschule hatte ich natürlich gewisse Erwartungen an die folgenden ersten Wochen und Monate.

Dass ich am Ende des ersten Semesters jedoch die Möglichkeit erhalten würde, meine Hausarbeit mit dem Thema „eSports und der Bezug zur klassischen Sportart Fußball – Eine empirische Zielgruppen-Analyse“ in einem renommierten Sportmanagement-Magazin zu veröffentlichen, hätte ich nicht gedacht.

Unterstützung durch den Professor

Prof. Dr. Ehnold von der IST-Hochschule für Management war es, der meinen Gedanken, eine Studie zu eSports im Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“ zu schreiben, bekräftigte. Damals, 2016, konnte man noch nicht von einem großen Hype sprechen, allerdings sorgte eine Studie von Deloitte für große Aufruhr in der Sportindustrie. Bis 2020 sollten die Umsätze in Deutschland demnach jährlich von 50 Mio. Euro (2016) auf 130 Mio. Euro wachsen. Diese Prognose, gepaart mit den Bemühungen des FC Schalke 04, im Spieletitel League of Legends die Internationalisierung voranzutreiben, löste in mir den Drang aus, den deutschsprachigen Markt intensiver zu beleuchten.

Ist es für einen (deutschen) Fußballverein tatsächlich erstrebenswert, mit einem eSports-Team neue Zielgruppen zu erschließen und neue Fans zu erreichen? Welche Merkmale weisen eSports-Fans auf? Welche Spieletitel werden überhaupt vorrangig gestreamt? Sind eSports-Fans affin für die Sportart „Fußball“ – und wenn ja, sind diese bereits Anhänger eines Fußballvereins? Wie hoch ist deren Zahlungsbereitschaft? Alles Fragen, mit denen ich mich in meiner Studie beschäftigt habe.

Als Student, so war es bis dato zumindest meine Auffassung, sind Hausarbeiten langatmig und nicht unbedingt den Klausuren zu bevorzugen. Wenn man jedoch ein für sich persönlich spannendes Thema wählt und darüber hinaus via E-Mail oder Telefon schnelle Rückmeldungen seitens des Dozenten erhält, dann machen wissenschaftliche Arbeiten tatsächlich Spaß.

Viel Zuspruch aus der eSports-Szene

Was während der Studie besonders Spaß machte? Die Kommunikation mit den eSports-Fans und Gamern. Diese waren nämlich sehr dankbar und voller Vorfreude, dass sich jemand diesem Thema annähert und darüber berichten möchte. So wurde der Link zu meinem Fragebogen in diversen Foren, auf zahlreichen Facebook-Seiten und unter Gamer-Kollegen geteilt. Und sogar anerkannte Gaming-Seiten wie „Gameswelt“ oder „GameStar“ animierten zur Teilnahme. Innerhalb kürzester Zeit nahmen so über 1.800 Probanden teil, was letztlich wohl auch den Ausschlag gab, die Studie nach der Modul-Bewertung nochmals aufbereiten zu lassen. Und zwar durch Prof. Dr. Ehnold und Andreas Gohritz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IST, um so eine mögliche externe Veröffentlichung zum mittlerweile durch die Decke gehenden Thema „eSports“ zu erreichen. Eine Veröffentlichung meiner Studie über die Grenzen der Hochschule hinaus? Wahnsinn! Ich habe keine Sekunde gezögert und meine Bereitschaft und Zustimmung signalisiert.

Auf dem 4. Udo-Steinberg-Symposium an der Hochschule Mittweida war es dann erstmals soweit – und die Studie wurde mit dem Titel „Samstags Borussia Dortmund – Sonntags Paris Saint-Germain | eSports: Der eSport-Zuschauer als Fußballfan?“ vorgestellt. Das war ein großer persönlicher Moment. Doch es kam noch besser.

Auch RB Leipzig "gönnt" sich mittlerweile professionelle Gamer, um die Marke durch eSports - beispielsweise FIFA 19 - bekannter zu machen.
Auch RB Leipzig „gönnt“ sich mittlerweile professionelle Gamer, um die Marke durch eSports – beispielsweise FIFA 19 – bekannter zu machen.

Das Sportmanagement-Magazin „Sciamus“ war sehr daran interessiert, die Studie in ihrer zweiten Ausgabe des Jahres 2018 zu veröffentlichen. Der Titel lautete diesmal „PlayStation und Fußballplatz. Vom eSport-Zuschauer zum Fußballfan?“. Als es dann tatsächlich zur Publikation kam, realisierte ich erst richtig, dass wir mit der Studie einen gewissen Nerv getroffen haben, der von relevantem Interesse ist.

Studie zu eSports in Nordamerika folgt

Das machte mich ungemein stolz, zumal mich infolgedessen Kollegen aus dem Sportbereich und sogar frühere Kommilitonen beglückwünschten und die Studie wirklich toll fanden. Und das alles, weil mein Dozent an meine Studie geglaubt und die Relevanz erkannt hatte. Als Kirsche auf der Sahne wird die Studie zeitnah auch über den Springer-Verlag im Sammelwerk „eSport – ignorieren oder integrieren?!“ mit dem Titel „Zwischen Konsole und Südkurve.“ erscheinen.

Untersuchte ich in dieser Studie noch vorrangig den deutschsprachigen Raum, bot es sich  an, mit der Master-Thesis die eSports-Zielgruppe in Nordamerika näher zu beleuchten. Man kann also sagen, dass mich die Studie vom ersten bis zum letzten Semester meines Sportbusiness-Management-Masters begleitete und zugleich motivierte, einen noch tiefergehenden Einblick in einem weiteren Markt zu erarbeiten. Auch bei der Thesis wird mir Prof. Dr. Ehnold zur Seite stehen, damit wir dieses Mal vielleicht auch über die Grenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz hinaus ein positives Echo bekommen.

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Dennis Lichtenwimmer ist aktuell als Digital Marketing Manager für die Region West bei Lagardère Sports tätig. Zu seinen Aufgaben zählt unter anderem die Konzeption und Implementierung von digitalen Marketingkampagnen im Fußballumfeld. Nach Beendigung seines Studiums an der deutschen Sporthochschule Köln (B. A. Sportmanagement und Sportkommunikation), ist er zudem seit Oktober 2016 im Studiengang Sportbusiness Management (M. A.) an der IST-Hochschule für Management eingeschrieben.

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