Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit – so geht wissenschaftliches Schreiben

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Studentin bei ihrer Bachelorarbeit
Die sieben Tipps des IST helfen beim wissenschaftlichen Schreiben.

Kein passendes Thema, eine unzureichende Quellenlage, Schwierigkeiten bei der Formulierung – viele Studierende verzweifeln, wenn sie eine wissenschaftliche Arbeit schreiben. Damit Panik, Frustration oder eine Koffeinüberdosis in der Nacht vor Abgabeschluss Dir keine Probleme bereiten, haben wir den perfekten Leitfaden für Deine Hausarbeit oder Abschlussarbeit.

7 Phasen des wissenschaftlichen Schreibens

Vorab solltest Du Dir bewusst machen, welchem Zweck eine wissenschaftliche Arbeit eigentlich dient: Du sollst zeigen, dass Du Dich mit Fachliteratur zu einem bestimmten Thema auseinandersetzen, den aktuellen Forschungsstand herausarbeiten und auf dessen Basis eigene Thesen formulieren und untersuchen kannst. Klingt kompliziert? Nicht, wenn Du einen Plan hast, der Dir aufzeigt, wie wissenschaftliches Schreiben funktioniert.

1Erstelle einen Zeitplan

Ein großer Teil der Arbeit findet schon statt, bevor Du das erste Wort aufs Papier bringst. Denn einfach drauf los zu schreiben ist bei einer wissenschaftlichen Arbeit nicht ratsam. Stattdessen solltest Du lieber einen guten Zeitplan aufstellen. Orientiere Dich am besten an Deinem Abgabetermin und dem Umfang der Arbeit. Im Gegensatz zu einer Hausarbeit oder Bachelorarbeit benötigst Du für eine Masterarbeit und erst recht für eine Dissertation sehr viel mehr Zeit für die Vorarbeit.  Den Aufwand für die Themensuche, Literaturrecherche und das Erstellen einer Gliederung solltest Du dabei genau einplanen. Kalkuliere außerdem einen kleinen Puffer für Fälle wie Krankheit oder – aufgepasst! – akute Motivationslosigkeit ein.

Generell gilt die Faustregel: Ein Drittel der Zeit dient der Vorarbeit, zwei Drittel fallen für das tatsächliche wissenschaftliche Schreiben und die Nachkorrektur an. Natürlich kannst Du diese Aufteilung individuell anpassen. Du solltest aber auf jeden Fall genug Zeit für das Lektorat und die endgültige Formatierung veranschlagen, denn beides nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als gedacht.

2Finde ein spannendes Thema

Dir fehlt die zündende Idee für ein Thema? Keine Sorge – anfangs muss es noch gar nicht so konkret sein. Manchmal hilft ein grobes Brainstorming schon weiter. Überlege Dir, welche Themen Dich im Seminar oder in Deinem Studium besonders interessiert haben, welche Fragen offengeblieben sind und wo Diskussionsbedarf bestand.

Wenn Du nun einen oder mehrere Themenbereiche eingrenzen kannst, bringt Dich die Suche in Fachdatenbanken oder im Online-Katalog Deiner Unibibliothek weiter. Dort gibst Du Schlagwörter ein, zu denen Dir Essays und Bücher vorgeschlagen werden. Beim Querlesen dieser Literatur kannst Du Dein Thema und Deine Fragestellung oft weiterentwickeln und genauer eingrenzen.

Nicht zuletzt ist auch Dein Dozent ein passender Ansprechpartner bei der Suche nach einem konkreten Thema. Der Rat eines echten Profis schlägt manchmal jede Datenbank.

3Die Literaturrecherche – Suche nach relevanten Quellen

Sobald Dein Thema feststeht, kannst Du mit der Literaturrecherche starten. Dazu hast Du verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel über:

  • Datenbanken (auf der Webseite Deiner Unibibliothek findest Du meist eine nach Fachbereichen geordnete Auflistung)
  • (Uni-)Bibliothekskataloge (mittlerweile sind viele Titel auch als E-Book verfügbar, alternativ kannst Du auch auf die Fernleihe zurückgreifen)
  • Fachzeitschriften
  • Literaturverzeichnisse aus Essays, Büchern, usw.
  • Google Scholar

Quellen wie Wikipedia, Hausarbeiten anderer Studierender, allgemeine Lexika oder jegliche Literatur, die nicht wissenschaftlich fundiert ist, solltest Du vermeiden – sie gelten als nicht zitierfähig! Achte außerdem darauf, dass Deine Quellen möglichst aktuell sind.

4Forschungsstand analysieren

Im nächsten Schritt verschaffst Du Dir zunächst einen allgemeinen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Deinem Thema – welche Position wird von der Mehrheit der Autoren vertreten? Wo bestehen Kontroversen? Welche Fragestellungen beherrschen die Diskussion? Anschließend liest Du Dir die Quellen, die deine These unterstützen, kritisch hinterfragen, oder für Dein Thema relevant erscheinen, genauer durch und überlegst, wie sich diese in Deine Arbeit integrieren lassen. Am besten notierst Du Dir die wichtigsten Punkte direkt. Das zahlt sich vor allem beim Schreiben umfangreicherer Texte wie einer Thesis oder Dissertation aus.

5Erstelle eine sinnvolle Gliederung

Auch wenn die Gliederung Dir vielleicht eher als notwendiges Übel erscheint, ist sie doch ein wichtiger Bestandteil des wissenschaftlichen Schreibens. Denn sie erfüllt zwei Funktionen: Einerseits dient sie Dir als roter Faden und Orientierungshilfe im Schreibprozess, andererseits spiegelt sie Deine Argumentation für den Leser auf einen Blick wider. Deswegen ist es wichtig, dass der Aufbau nachvollziehbar und logisch ist. Grob lässt sich eine wissenschaftliche Arbeit so einteilen:

  • Die Einleitung: Zu Beginn führst Du den Leser in Dein Thema ein. Hier erläuterst Du Dein Forschungsinteresse und die Relevanz des Themas im Gesamtkontext der Forschung. Außerdem präsentierst Du Deine Forschungsfrage und stellst eine These für Deine wissenschaftliche Arbeit auf. Anschließend führst Du kurz aus, mithilfe welcher Methoden und Theorien Du diese untersuchen willst und wie Deine Arbeit aufgebaut sein wird.
  • Der Hauptteil: Im Hauptteil gehst Du auf den aktuellen Forschungsstand ein und erklärst die theoretischen und methodischen Grundlagen Deiner Arbeit. Im nächsten Schritt folgt Deine Eigenleistung: Du wendest die Erkenntnisse aus dem ersten Teil auf deine Forschungsfrage an. Im Anschluss daran diskutierst Du deine Ergebnisse. Für den Aufbau des Hauptteils kannst Du Dich an der Trichtermethode orientieren: Du fängst mit allgemeinen Informationen an und wirst dann immer spezifischer.
  • Das Fazit: Zum Schluss fasst Du Deine Erkenntnisse aus dem Hauptteil zusammen, führst diese noch einmal auf Deine Forschungsfrage und These zurück und machst deutlich, was Deine Ergebnisse für diese bedeuten. Außerdem solltest Du eventuelle Schwierigkeiten und Limitierungen reflektieren. Zuletzt kannst Du einen kurzen Ausblick geben, welchen Mehrwert Deine wissenschaftliche Arbeit für die Forschung bietet und welche weiteren Fragestellungen sich daraus ergeben.

Versuche, Dich an dieser Aufteilung zu orientieren und Deine Argumentationskette anschließend in einzelne Schritte zu unterteilen – damit hast Du einen guten ersten Anhaltspunkt für Deine Gliederung. Die groben Schritte sind auch die Basis für Deine Kapitel, welche Du nur noch mit den passenden Überschriften versehen musst. Aber Vorsicht! Diese sollten nicht zu allgemein gehalten sein, sondern direkt auf den Inhalt schließen lassen. Eine gute Gliederung lässt den Leser auf Anhieb Deine Argumentationsstrategie erkennen. Feinere thematische Abstufungen innerhalb deiner Kapitel dienen Dir anschließend als Orientierung für die Unterkapitel. Falls es noch nicht klappt mit der Gliederung, mach Dir keine Sorgen. Es gehört zum normalen Schreibprozess dazu, die Gliederung mehrmals umzustellen, bis man wirklich zufrieden ist.

Nicht vergessen: Sprich den finalen Aufbau unbedingt mit Deinem Dozenten ab.

6Endlich geht’s los – der Schreibprozess

Nach der Vorarbeit musst Du jetzt „nur noch“ Deine Ergebnisse aufs Papier bringen. Doch auch dabei gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Die Formatierung. Diese ist meist durch deine Hochschule, den Professor oder den Fachbereich vorgegeben. Frage dazu am besten Deinen Betreuer. Wichtig ist hier vor allem Einheitlichkeit.
  • Der Schreibstil. Wissenschaftliches Schreiben zeichnet sich vor allem durch Sachlichkeit, Objektivität und Präzision aus. Vermeide also Füllwörter, Abkürzungen und Ausschmückungen. Erkläre Fachbegriffe, wenn Du sie zum ersten Mal in Deiner Arbeit verwendest, und benutze anschauliche Beispiele. Verzichte auf Bandwurmsätze und versuche, neutral zu bleiben – persönliche Wertungen sind hier fehl am Platz. Im Internet findest Du Listen hilfreicher Wörter und Wendungen, die speziell auf wissenschaftliches Schreiben ausgelegt sind, die Deinem Text Struktur geben und ihn sprachlich aufwerten.
  • Die Zitate. Nachdem Du viel Mühe in die Literaturrecherche und Quellenarbeit investiert hast, ist es wichtig, die Erkenntnisse korrekt zu kennzeichnen und von Deiner Eigenleistung abzugrenzen! Ansonsten produzierst Du ein Plagiat, was zum Nichtbestehen der Hausarbeit oder Abschlussarbeit führen kann. Um Dich in dieser Hinsicht abzusichern, kannst Du eine Plagiatsprüfung nutzen. Unterschieden wird zwischen dem Harvard-Zitierstil mit Kurzbelegen im Text und dem deutschen Zitierstil, der Fußnoten nutzt. Wichtig ist, dass Du konsequent einen der Stile verfolgst. Du kannst sowohl direkte Zitate nutzen, bei denen Du die Aussage eines Autors wörtlich wiedergibst, als auch indirekte Zitate, bei denen Du sie in eigenen Worten paraphrasierst. Genauere Infos zum wissenschaftlichen Zitieren gibt es hier.

Am Ende Deiner Arbeit hängst Du ein Literaturverzeichnis an, in dem alle Quellen noch einmal aufgeführt sind.

7Die letzten Schritte

Wenn Du Deine wissenschaftliche Arbeit verfasst hast, kannst Du erst einmal durchatmen. Im Nachgang stehen nur noch einige kleine Schritte an. Folgendes ist wichtig:

  • Das Lektorat. Lies Deine Arbeit unbedingt noch einmal durch und lass am besten auch jemand anderen korrekturlesen.
  • Die inhaltliche Ebene. Ist die Argumentation schlüssig? Werden alle Fachbegriffe erklärt? Gibt die Einleitung einen guten Einblick in das Thema und dein Vorgehen? Bezieht sich das Fazit noch einmal auf deine Forschungsfrage und These und nimmt Stellung zu deinen Ergebnissen?
  • Die formale Ebene. Stimmt das Layout? Sind die Zitierweise, Formatierung und Gestaltung der wissenschaftlichen Arbeit einheitlich? Ist jede Erkenntnis anderer Autoren als Zitat gekennzeichnet? Hast Du korrekte Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik verwendet?
  • Die eidesstattliche Erklärung. Nicht vergessen! Am Ende Deines Textes erklärst Du, dass Du alle Zitate kenntlich gemacht und kein geistiges Eigentum anderer als Dein eigenes ausgegeben hast. Vordrucke dazu findest Du auf der Webseite Deiner Universität und im Internet.

Hast Du an alles gedacht? Prima, dann steht der Abgabe nichts mehr im Wege. Und denk daran: Wissenschaftliches Schreiben ist Übungssache, mit jedem Mal wird es leichter.

Viel Erfolg beim Verfassen Deiner Arbeit!

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Kathrin Przadkiewicz absolvierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den Bachelor der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik und belegt dort aktuell den Masterstudiengang Literaturübersetzen. Nebenbei ist sie als Werkstudentin im Online-Marketing des IST-Studieninstituts tätig.

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