Keine Angst vor Gesundheitsmanagement im Unternehmen

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Wer Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich gestalten und Mitarbeitende zu gesundheitsbewusstem Verhalten befähigen möchte, muss ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Unternehmen und damit systematisch in bestehende Managementsysteme integrieren.

Das klingt kompliziert. Viele Arbeitgeber zögern deshalb auch, da sie einen hohen Aufwand befürchten und den Nutzen eines BGM nur schwer abschätzen können.

Doch die Vorteile liegen auf der Hand: ein BGM hilft mit geeigneten Maßnahmen, Krankheiten und psychischen Belastungen vorzubeugen. Das sichert und steigert nicht nur die Gesundheit, sondern am Ende auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Statistiken sprechen für sich.

Potentiale zur Anschlussfähigkeit nutzen

Bei genauer Betrachtung ist BGM überdies hochgradig anschlussfähig an bestehende betriebliche Prozesse. Der Aufwand ein betriebliches Gesundheitsmanagement im Unternehmen zu etablieren ist damit überschaubar. Strukturiert aufgebaut und gekoppelt an bereits vorhandene betriebliche Akteure, sind zahlreiche Anknüpfungspunkte gegeben. Es muss nicht zwingend eine separate interne Organisation aufgebaut werden, um mit gezielten BGM-Maßnahmen langfristig beruflich bedingte körperliche und psychische Belastungen zu reduzieren und Krankheiten zu vermeiden.

80% der benötigten Ressourcen sind bereits im Unternehmen vorhanden

Analysen haben gezeigt, dass rund 80 % der zur wirksamen Implementierung eines BGM notwendigen Ressourcen bereits in einer Organisation vorhanden sind. Da scheint die Anstrengung für eine erfolgreiche Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements im Unternehmen bei weitem nicht mehr so groß.

Puzzelteile identifizieren und zusammenfügen – Gesundheitsmanagement im Unternehmen

Es lohnt sich daher die bereits vorhandenen Puzzleteile, wie z.B.:
– Unternehmenspolitik und -vision/-leitbild
– bestehende Managementsysteme inkl. Akteuren und Gremienstruktur
– hinterlegte Prozesse im Arbeits- und Gesundheitsschutz
– Personalentwicklung
– interne Kommunikationswege
– bestehende Gesprächsformate
– Bündelung der Kompetenzen betrieblicher Akteure,
– ein etabliertes Qualitätsmanagement z.B. im Arbeits- und Gesundheitsschutz
– ein existierendes Projektmanagement
zu identifizieren und unter dem Aspekt der Gesundheitsförderlichkeit weiter zu entwickeln und miteinander zu verknüpfen.

Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten – unabhängig von Unternehmensgröße und Branche

Die Vernetzung aller betrieblichen Akteure, inklusive der Führungsebene, birgt das Potential, Strategien und Maßnahmen ganzheitlich, passgenau, kennzahlenbasiert und ressourcenschonend zu verankern.

Die Wahrscheinlichkeit, die gesetzten Ziele durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement im Unternehmen auch tatsächlich zu erreichen, steigt entsprechend. Durch die gezielte Auseinandersetzung mit betrieblichen Anforderungen leisten sogenannte „Entlastungsstrategien“ mit flankierenden Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit und Zufriedenheit der Mitarbeiter gleichermaßen.
Vor dem Hintergrund potenzieller (Über-)Belastung betrieblicher Akteure, alternder Belegschaften und potenziellem Fachkräftemangel ist ein BGM also ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Wichtigste Aufgabe dabei: ist, immer die Mitarbeiter in entsprechenden Gremien zu beteiligen, um eine größtmögliche Akzeptanz der notwendigen Maßnahmen zu erreichen.

BGM-Manager als Kulturbotschafter und Influencer in Sachen Gesundheit

Agile betriebliche Gesundheitsmanager sind ein „Must Have“ in jeder Art betrieblicher Organisationen, die mit fachlicher Expertise, Zeit und der Kenntnis innerbetrieblicher Prozesse den Weg zu bereiten. Selbstverständlich in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat, der Personalvertretung oder Vertrauensleuten. Sie können Leitplanken aufbauen und verankern. Nicht zuletzt braucht BGM ein Gesicht als verbindende Identifikationsfigur für Themen und Personen.

Potenziale der Beschäftigten und der Führungskräfte heben

Sowohl eine kontinuierliche Mitarbeiterbeteiligung als auch eine gesundheitsförderliche Führungskultur spielen eine wesentliche Rolle, um Beschäftigte für das Thema Gesundheit zu gewinnen.

Betroffene zu Beteiligen machen, im besten Fall als Multiplikatoren im eigenen Hause, sorgt für eine gute Kommunikation zwischen dem BGM-Manager und der Belegschaft. Damit ist eine größtmögliche Akzeptanz für die anstehenden gesundheitsförderlichen Maßnahmen und ein fundiertes Gesundheitsmanagement im Unternehmen gegeben.

Mitarbeiter und Prozessbeteiligte, die BGM als Ressource begreifen, nutzen die fachübergreifenden Mitwirkungsmöglichkeiten, ihre Arbeitsumgebung und -Abläufe gesundheitsförderlicher zu gestalten. Sie tragen somit aktiv zur Entlastung aller bei – auch für diejenigen, die erst später das BGM-Angebot annehmen möchten, und erst einmal mit dem Griff in den Obstkorb beginnen.

Hilfreich ist in jedem Fall, das BGM strategisch, konsequent multiprofessionell und attraktiv aufzubereiten. Gesundheitsthemen werden dadurch auf eine Art zu den Kollegen getragen, die den Mehrwert spürbar werden lässt.

Richtlinien dienen als Wegweiser für ein Gesundheitsmanagement in Unternehmen

Betrachtet man dazu den Leitfaden Prävention des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung, die DIN SPEC 91020 oder weitere Publikationen, so lässt sich aus den einzelnen Prozessschritten eine Checkliste (hier ein Beispiel der TSV Bayer Dormagen Gesundheits-GmbH) ableiten, die den Weg in und durch das BGM als kontinuierlichen Verbesserungsprozess leitet.

Das Rad nicht neu erfinden

Wie könnte sie nun aussehen, die Strategie, mit der Krankheiten vermieden, psychische Belastungen reduziert und krankheitsbedingten Ausfällen vorgebeugt wird?
Optimierungspotentiale im Team zu identifizieren und zu analysieren, die Gesundheit aller Kollegen und ein professionelles Gesundheitsmanagement im Unternehmen überhaupt zum Thema zu machen und damit für eine gesundheitsförderliche Kultur zu sensibilisieren, sind wesentliche Errungenschaften des BGM.

Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Empfehlenswert ist es, bestehende Prozesse um den Aspekt der Gesundheitsförderlichkeit zu erweitern und mit einer entsprechenden „Gesundheitssignatur“ zu versehen. Das schont Ressourcen und verschlankt den Gesamtprozess, ist allerdings kein Selbstläufer.

Gesundheitsmanager und Gesundheitsmanagerinnen dienen in dem Zusammenhang als Mittler zwischen den einzelnen Abteilungen mit ihren spezifischen Potenzialen innerhalb einer Organisation. Gerade zu Beginn führen Überschneidungen zu Reibungspunkten und damit auch gelegentlich zu Spannungen zwischen den Beteiligten. Im Storming des Gruppenprozesses ein ganz normaler Vorgang. Da ist Kommunikation und Moderation seitens des BGM-Managements gefragt, nicht zuletzt aber auch die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten.
Unternehmen, die sich im betrieblichen Gesundheitsmanagement aufstellen, dürfen langfristig mit einer höheren Akzeptanz aller Beteiligten rechnen, da sich der Aufwand auf mehrere Schultern verteilt und damit kalkulierbar in Grenzen hält. Ein Versuch ist es (Mehr-)wert!

Weiterbildung ist der erste Schritt

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist also ein breitgefächertes Tätigkeitsfeld, das ganz unterschiedliche Teilbereiche zu einem großen Ganzen zusammenfügt und deshalb Detailwissen voraussetzt. In den Weiterbildungen „Betriebliches Gesundheitsmanagement (IHK)“ sowie „Manager für Gesundheit im Betrieb“ des IST wird genau dieses Detailwissen vermittelt. In der Weiterbildung „Betriebliches Gesundheitsmanagement (IHK)“ lernen die Teilnehmer in nur fünf Monaten die Grundlagen, Handlungsfelder, Kennzahlen, den Aufbau und die Steuerung sowie die Gesamtevaluation des BGM kennen. Bei der 13-monatigen Weiterbildung „Manager für Gesundheit im Betrieb“ kommt noch Fachwissen aus dem Bereich „Gesundheitsförderung“ ergänzend hinzu. Das IHK-Zertifikat „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ ist hier inklusive.

Axel Wertz ist Dozent für Betriebliches Gesundheitsmanagement und Geschäftsführer der TSV Bayer Dormagen Gesundheits GmbH. Nach abgeschossenem Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln im Fachbereich Behindertensport und Rehabilitation mit dem Schwerpunkt Psychisch Kranke/Verhaltensauffälligkeiten führte ihn sein beruflicher Werdegang zunächst einige Jahre an die Rheinischen Kliniken des LVR nach Viersen-Süchteln, wo er unter anderem in der Forensik und im Suchtbereich therapeutisch tätig war. Parallel dazu lehrte er bis 2007 Gesundheits- und Bewegungswissenschaften am Europa-Berufskolleg des Johann-Michael-Sailer-Instituts und danach am Berufskolleg des Erzbistums Köln. 1998 folgte der mehrfache Deutsche Meister in der Leichtathletik dem Ruf seines Stammvereins nach Dormagen und engagiert sich seither im Betrieblichen Gesundheitsmanagement für Bayer. Als IST-Dozent legt er großen Wert auf die Verknüpfung theoretischer Grundlagen mit der betrieblichen Praxis.

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