Wie Corona die Medien verändert

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„Egal, ob Print oder digital – momentan ist es wichtig, dass die Menschen auf dem Laufenden gehalten werden.“ So beschreibt Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien die wichtigste Aufgabe der Medien in Zeiten von Corona. Wie steht es aber um die Medienbranche selbst? Dieser Frage ging Michael Praetorius als Moderator für die ersten #MTMdigitalks der Medientage München nach.

Ausbleibende Werbeeinnahmen

Laut Media Consumer Survey 2020 von Deloitte brechen im Moment 40 bis 80 Prozent der Werbeerlöse einfach weg. Unter diesem massiven Rückgang leiden viele Unternehmen, ganz aussichtslos ist die Lage aber nicht. „Wir müssen Werbeformen finden, die jetzt funktionieren und Sinn machen“, erklärt Frank Vogel, Geschäftsführer und Vermarktungschef bei Gruner + Jahr.

Laut Henrik Pabst (Geschäftsführer/CCO Entertainment, ProSiebenSat.1 TV Deutschland) gehen Unternehmen, die während Corona weiter werben, gestärkt aus der Krise hervor. Doch nicht für jeden ist das eine Option. „Kleine Unternehmen können zum Teil einfach nicht werben“, so Vogel. Entweder fehlen die finanziellen Mittel, oder die Produktion läuft nicht mehr.

Normalität bewahren

Laut Klaus Böhm verzeichnet für das lineare Fernsehen einen Zuwachs von 13 Prozent

Laut Klaus Böhm von Deloitte Consulting „ist die tägliche Mediennutzung bei fast allen Mediengattungen signifikant angestiegen.“ Mediatheken konnten den Anteil ihrer täglichen Nutzer um 55 Prozent steigern, das lineare Fernsehen verzeichnet einen Zuwachs von 13 Prozent. „Wir sind alle zuhause und müssen uns beschäftigen“, erklärt Henrik Pabst den Anstieg. Die Aufgabe des Fernsehens liegt für den Geschäftsführer darin, Normalität zu bewahren, klare und verständliche Informationen zu liefern und den Zuschauern Ablenkung zu verschaffen. Und so bleiben bestehende Formate im ProSiebenSat.1-Programm. Nach der ersten Corona-Neusendungswelle geht es bei dem Sender zurück zu Altbekanntem.

Schluss mit lustig?

Hinter den Kulissen: Moderator Michael Praetorius im Interview mit Stand-Up-Comedian Hazel Brugger

Ablenkung bietet auch die Kulturbühne des Bayerischen Rundfunks, die, wie Informationsdirektor Thomas Hinrichs erklärt, eine seriöse Plattform für Konzerte, Lesungen und Comedians bietet. So kommen Kulturliebhaber auf ihre Kosten und Künstler können weiterhin auftreten. Wie wichtig das ist, macht Stand-Up-Comedian Hazel Brugger mehr als deutlich. Ohne Publikum sei sie ein Comedian ohne Gliedmaßen. Dramatisch, aber wahr. Immerhin kann sich die Schweizerin noch auf YouTube austoben.

Traditionelle Medien gewinnen neues Vertrauen

Radio vermittelt Vertrauen, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit

Nahe an den Menschen zu sein, Vertrauen, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit zu vermitteln, darauf kommt es für den Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks jetzt an. Die Aufgabe des Radiosenders liege vor allem darin, alle in Bayern lebenden Personen ausreichend zu informieren. Und so wurde auch das Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund verbessert. Innerhalb von 24 Stunden kam ein mehrsprachiges Angebot auf den Markt. Jetzt kann man sich auch auf Türkisch, Serbisch, Kroatisch, Italienisch, Englisch und Arabisch informieren lassen.

Den wachsenden Nutzeranstieg bekam auch Jochen Wegner, Chefredakteur der ZEIT ONLINE mit. „Wir hatten im März doppelt so viele Abonnements wie im vergangenen Rekordmonat“, berichtet der Journalist. Allgemein stiegen die Nutzerzahlen im digitalen Zeitschriftenbereich um 67 Prozent an, bei Print waren es immerhin elf Prozent. Am meisten gelesen werden auch bei ZEIT ONLINE im Moment Corona-Themen, allen voran die aktuellen Infektionsraten. Covid-19 ist komplex und nur schwer einzuschätzen. Umso wichtiger sei es laut Wegner, sich gemeinsam mit den Nutzern voranzutasten. Experten, die gerade genau wissen, wie es läuft, misstraut der Journalist. Genau diese Einstellung schafft Vertrauen bei den Lesern. Darauf kann man aufbauen, findet Anita Zielina, Director of Innovation and Leadership an der City University New York. „Während einer Krise sehen sich die Menschen nicht nach einer neuen Medienmarke um“, erklärte die gebürtige Österreicherin. Gerade öffne sich ein einzigartiges Window of Opportunity, welches auch genutzt werden solle. „Kein Corona-Newsletter oder Sonderheft werde im Alleingang ein Medienhaus retten“, so Zielina. Sie könnten aber durchaus das digitale, gemeinsame Arbeiten beginnen.

Corona treibt die Digitalisierung voran

„Qualitätsmedien wie der Bayerische Rundfunk müssen eine lotsende Rolle in dieser neuen, digitalen Welt einnehmen“, findet Thomas Hinrichs. Das digitale Mindset müsse als Chance gesehen werden, nicht als Bedrohung. Leichter gesagt als getan, denn immerhin gibt es ja sicher Gründe, warum viele Medienhäuser in Sachen Digitalisierung vor sich hinschleichen. „Wenn der Druck von außen nicht groß genug ist, neigt man dazu die massiven Transformationsprozesse immer wieder mal auf die lange Bank zu schieben“, erklärt Zielina. „Bereits 2012 habe der BR damit begonnen, seine Strategie zu ändern und Format und Content voneinander zu trennen“, so Hinrichs. „Wir können die Leute nicht um 18:30 Uhr vor den Fernseher zwingen. Darum ist es wichtig, sie anders abzuholen.“ Jetzt heißt es: „Data Analytics“ statt „Stomach Analytics“. „Wir müssen neue Angebote schnell, fokussiert, aber auch datenbasiert und KI-gestützt auf den Markt werfen, sonst haben wir keine Chance.“ Für den Informationsdirektor ist eines ganz klar: Medienunternehmen müssen auch Tech-Unternehmen sein.

Noch mehr spannende Infos zum Thema „Medien in Zeiten von Corona“ und Vorträge der Speaker gibt es auf der Website der Medientage München.

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Ann-Kathrin Kapteinat fand bereits 2016, damals noch als Jura-Studentin, ihre Leidenschaft für die Medienbranche. Während ihrer Tätigkeit als Werkstudentin im SEA-Bereich. Seit 2017 ist sie Studentin im Bachelor-Studiengang Kommunikation & Medienmanagement an der IST-Hochschule für Management. Um auch weiterhin neben dem Studium Praxiserfahrungen zu sammeln, arbeitet sie aktuell in einer Performance Marketing Agentur in München.

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