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EINE BEZIRKSSPORTANLAGE WIRD ZUR WM-BÜHNE – Hinter den Kulissen der IFAF World Flag 26

Dilara Gencay - 28.08.2026

Eine Weltmeisterschaft, internationale Sportprominenz und Einblicke hinter die Kulissen eines Events, die Zuschauer:innen normalerweise verborgen bleiben: Vier Studierende der IST-Hochschule für Management besuchten im Rahmen des Seminars „Behind the Game: Insights im Sportbusiness“ die IFAF World Flag 26 in Düsseldorf. Die zweitägige Exkursion wurde von Prof. Dr. Gerhard Nowak geplant und begleitet. Zwei Studierende aus dem Bachelorstudiengang Sportbusiness Management und zwei Teilnehmer:innen einer Weiterbildung im Sportmanagement erhielten dabei die Möglichkeit, die Weltmeisterschaft nicht nur sportlich zu erleben, sondern mit Verantwortlichen aus Eventmanagement, Kommunikation und Sportmarketing ins Gespräch zu kommen.

VON DER THEORIE AUF DAS SPIELFELD

In einer kurzen Einführung bekamen wir zunächst einen Einblick in die Sportart, die spätestens in den kommenden Jahren noch deutlich stärker in den öffentlichen Fokus rücken dürfte. Denn Flag Football wird 2028 in Los Angeles erstmals olympisch sein. Die Weltmeisterschaft in Düsseldorf hatte damit eine besondere Bedeutung. Sie war nicht nur die erste Flag-Football-WM auf deutschem Boden, sondern zugleich die erste direkte Möglichkeit für die teilnehmenden Nationen, sich für die Olympischen Spiele 2028 zu qualifizieren. Vom 13. bis 16. August traten jeweils 16 Frauen- und Männerteams aus insgesamt 19 Nationen in Düsseldorf-Garath an.

Doch was ist Flag Football eigentlich?

Die Grundidee erinnert stark an American Football, allerdings wird ohne Tackling gespielt. Statt einen Gegenspieler zu Boden zu bringen, tragen die Spieler:innen sogenannte Flags an der Hüfte. Wird eine dieser Flaggen gezogen, ist der Spielzug beendet. Schnelligkeit, Agilität und taktische Entscheidungen stehen dabei besonders im Fokus.

Mit diesem Grundwissen ging es für uns anschließend genau dorthin, wo die Theorie plötzlich lebendig wurde: auf das WM-Gelände in Düsseldorf-Garath. Neben den Gesprächen mit verschiedenen Verantwortlichen hatten wir reichlich Zeit, Spiele zu verfolgen, über das Gelände zu laufen und die besondere Atmosphäre einer Weltmeisterschaft mitzunehmen.

WENN SPORTGESCHICHTE PLÖTZLICH GREIFBAR WIRD

Am ersten Tag erhielten wir vor allem Einblicke in die Organisation und Kommunikation der WM.

Bastian Becker, Director Sports bei D.LIVE, erklärte uns, wie D.SPORTS als Teil einer städtischen Struktur arbeitet und gleichzeitig vergleichsweise eigenständig Sportevents entwickelt, vermarktet und umsetzt.

Wie komplex solche Veranstaltungen werden können, zeigte anschließend Martin Ammermann, COO Sports und Major Events bei D.LIVE. Für die Weltmeisterschaft wurde eine bestehende Bezirkssportanlage in Garath temporär zu einer internationalen WM-Location umgebaut. Besonders im Gedächtnis blieb dabei ein Detail. Eine angrenzende Schule wurde teilweise für das Event genutzt und da dort Generalschlüssel existierten, mussten aus Sicherheitsgründen alle Schlösser ausgetauscht werden. Nach dem Turnier musste alles rechtzeitig zurückgebaut werden, damit der normale Schulbetrieb nach den Ferien wieder starten konnte. Ein kleines Beispiel, das eindrucksvoll zeigte, wie viele Details bei einem Sportevent berücksichtigt werden müssen, von denen Zuschauer:innen später nichts mitbekommen.

Mit Katharina Müller und Tobias Kemberg von D.SPORTS ging es anschließend um Social Media, Pressearbeit und die mediale Begleitung der Weltmeisterschaft. Knapp 200 Journalist:innen und Content Creator:innen waren akkreditiert. Besonders überraschend: Nach passenden Creator:innen musste teilweise gar nicht aktiv gesucht werden. Gerade aus dem Ausland meldeten sich viele von selbst, um vor Ort Content zur WM zu produzieren.

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SPORTMANAGEMENT AUS VERSCHIEDENEN PERSPEKTIVEN

Auch am zweiten Tag wurde deutlich, wie vielseitig die Arbeit im Sport sein kann.

Sonja Oberem, Head of Running Events bei D.SPORTS, berichtete über die Herausforderungen bei der Planung und Entwicklung von Veranstaltungsflächen. Als ehemalige Leistungssportlerin greift sie dabei bis heute auf ihre eigenen Erfahrungen zurück. Gleichzeitig besucht sie auch privat Sportevents, um neue Ideen zu sammeln und zu beobachten, was andere Veranstalter:innen besonders gut machen.

Eine ganz andere Perspektive brachte Daniel Jensen, Co-Founder der Storytelling-Agentur Hirsch auf Löwe, mit. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum Sport gerade für Marken so wertvoll ist. Sein Gedanke: In einer zunehmend von künstlicher Intelligenz und vorhersehbaren Inhalten geprägten Welt bleibt Sport unberechenbar. Favoriten und Wahrscheinlichkeiten lassen sich zwar bestimmen, das tatsächliche Ende eines Spiels jedoch nicht. Genau dadurch entstehen echte Emotionen und Geschichten, die Marken zwar begleiten, aber niemals vollständig planen können. Wie passend dieser Gedanke war, sollte sich spätestens im Frauenfinale zeigen, das erst mit dem letzten Spielzug entschieden wurde.

Emily Schäfer, ehemalige IST-Studierende, zeigte wiederum, dass Sportmanagement auch außerhalb einer klassischen Sportorganisation funktionieren kann. Sie arbeitet heute in der Familienrösterei Rösterei Vier und konnte über ihr Studium und ihr Netzwerk eine Kooperation mit dem Düsseldorf Marathon und der Läuferin Laura Hottenrott aufbauen. Gemeinsam entstand der 42.k Blend, benannt in Anlehnung an die Marathondistanz. Ein schönes Beispiel dafür, wie Sport Verbindungen zwischen ganz unterschiedlichen Branchen schaffen kann.

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VON FLAG FOOTBALL ZU OLYMPIA

Ein weiterer Stopp führte uns zum Stand der Bewerbung KölnRheinRuhr für mögliche Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044. Dort konnten wir nicht nur mehr über das Bewerbungskonzept erfahren, sondern auch einen Blick in die Bewerbungsunterlagen werfen.

Der Bezug zur Flag-Football-WM hätte dabei kaum passender sein können: Wir besuchten eine Weltmeisterschaft in einer Sportart, die 2028 erstmals olympisch sein wird, und beschäftigten uns gleichzeitig mit der Frage, ob Olympische Spiele zukünftig vielleicht sogar in der Region stattfinden könnten.

SPORTGESCHICHTE HAUTNAH

Spätestens am Finaltag wurde deutlich, welche internationale Bedeutung die Weltmeisterschaft hatte. Mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry und NFL-Commissioner Roger Goodell waren zwei der wichtigsten Persönlichkeiten des internationalen Sports vor Ort.

Sportlich sorgte besonders das Frauenfinale für einen emotionalen Abschluss. Kanada setzte sich erst mit dem letzten Spielzug gegen die USA durch und sicherte sich damit neben dem Weltmeistertitel auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028. Nur einen Tag zuvor hatten wir noch darüber gesprochen, dass genau diese Unvorhersehbarkeit eine der größten Stärken des Sports ist. Plötzlich konnten wir sie selbst erleben.

Und wer fährt nun eigentlich nach Los Angeles?

Die USA sind als Gastgeber sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern bereits gesetzt. Bei den Frauen haben sich damit neben Kanada auch die drittplatzierten Frauen aus Mexico qualifiziert. Bei den Männern fahren Italien und Kanada mit zu Olympia. Für die deutschen Teams reichte es diesmal noch nicht ganz: Die Frauen beendeten die Heim-WM auf einem starken fünften Platz, die Männer wurden Achte. Der Traum von LA 2028 ist damit aber noch nicht vorbei, denn weitere Startplätze werden über die kommenden Qualifikationsmöglichkeiten vergeben.

MEHR ALS NUR EIN WM-BESUCH

Nach zwei Tagen blieb weit mehr hängen als die Spielergebnisse. Wir haben gelernt, dass hinter einer Weltmeisterschaft auch ausgetauschte Türschlösser stecken können. Dass Content Creator:innen inzwischen selbst international auf Veranstalter:innen zukommen. Dass Erfahrungen aus dem Leistungssport Jahre später die Organisation von Events prägen können und dass Sportkooperationen selbst bei einer Kaffeerösterei funktionieren. Vor allem aber wurde deutlich, wie viele Bereiche des Sportmanagements bei einem einzigen Event ineinandergreifen. Am Ende waren es genau diese Einblicke hinter die Kulissen, die Gespräche und das direkte Erleben vor Ort, die die IFAF World Flag 26 für uns zu mehr als nur einem WM-Besuch gemacht haben.

Ifaf Sportler und Studierende
Dilara Gencay

Dilara Gencay absolviert an der IST-Hochschule für Management die Weiterbildung zur Sportmanagerin. Hauptberuflich arbeitet sie als Social Media Redakteurin bei ZDF Digital. Darüber hinaus ist sie selbst als Content Creatorin aktiv und beschäftigt sich auf ihren Social-Media-Kanälen vor allem mit Fußball.

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