

Studie zur Fußball-WM: Die Fußball-WM 2026 ist Geschichte – Deutsche Fußballfans zeigten moderates Interesse
Christopher Dick - 23.07.2026
Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist nun Geschichte, aber wie sah es eigentlich vor und während dem Turnier mit dem deutschen Interesse an der WM aus und wie sehr identifizierten sich die deutschen Fußballfans mit der eigenen Mannschaft? Genau diesen Fragen ging ein groß angelegtes Forschungsprojekt der IST-Hochschule für Management in Kooperation mit dem international renommierten Marktforschungsinstitut Bilendi nach.
Unter der Leitung der Sportwissenschaftler Dr. Christopher Dick und Prof. Dr. Gerhard Nowak wurden im Rahmen einer Langzeitstudie über 7 Monate hinweg mehr als 7000 Personen befragt. Im Zentrum der repräsentativen Befragung standen zudem Fragen zum Konsumverhalten der Deutschen in Bezug auf ihren TV-Konsum oder den Kauf von Merchandise Artikeln.
Insgesamt betrachtet zeigten die Deutschen lediglich moderates Interesse an der WM 2026. Im Durchschnitt gaben über die 7 Erhebungswellen hinweg 43 % der befragten Personen an, sich für das Turnier zu interessieren. Oftmals wurden Gründe wie die zunehmende Kommerzialisierung und Bedenken gegenüber dem Gastgeberland für mögliches Desinteresse genannt. Noch schwerer fiel es den deutschen Fußballfans allerdings, sich mit der eigenen Nationalmannschaft zu identifizieren. Lediglich 23 % gaben durchschnittlich an, sich mit dem DFB-Team zu identifizieren, während sich jedoch ganze 42 % für das Team interessierten. „Diese Diskrepanz zeigt, dass die Nationalmannschaft den Deutschen nicht egal ist, sie es aber nicht geschafft hat, die Menschen emotional mitzunehmen“, betont Prof. Dr. Nowak. Oft genannte Gründe hierfür waren überbezahlte Spieler, keine Identifikationsfiguren und sportlicher Misserfolg.
Identifikation und Interesse unterliegen verschiedenen Einflussfaktoren
Über die sieben Erhebungswellen hinweg variierte das Interesse am Turnier sowie die Identifikation mit dem DFB-Team jedoch stark. „Die wellenförmigen Bewegungen sind anhand verschiedener Einflussfaktoren erklärbar“, sagt Dr. Christopher Dick. So zeigte sich beispielsweise, dass in den Monaten Januar, Februar und März das Interesse niedriger war als im Monat April. Mögliche Gründe hierfür könnten andere Sportgroßveranstaltungen wie die Handball-EM oder die Olympischen Winterspiele sein, welche das mediale Interesse zu dieser Zeit stark auf sich zogen. Im April wiederum stieg das Interesse an, als die Testspiele der deutschen Nationalmannschaft anstanden, bevor dann im Mai die Werte wieder sanken. „Der Fokus der Fußballfans lag zu dieser Zeit wohl eher noch auf der entscheidenden Phase der Fußball-Bundesliga und den Finals der internationalen Wettbewerbe wie der Champions League“, erklärt Dr. Christopher Dick.
Zu Beginn der WM im Juni stieg das Interesse dann wieder stark an. „Zum einen lag der mediale Fokus zu dieser Zeit komplett auf der WM, zum anderen dürfte der klare Auftaktsieg der Nationalmannschaft gegen Curacao für den Aufschwung gesorgt haben“, betont Prof. Dr. Nowak. Als die letzte Erhebung im Juli stattfand, war das deutsche Team bereits gegen Paraguay ausgeschieden und das Interesse nahm wieder ab. „Es bestätigt sich, dass der sportliche Erfolg des eigenen Teams am Ende oft ein entscheidender Einflussfaktor für das Interesse und die Identifikation im Sport darstellt“, sagt Dr. Christopher Dick.

Kommerz schlägt Charakter
Obwohl die Bedenken der Befragten gegenüber der WM und der Nationalmannschaft im Vorfeld teilweise sehr groß waren und die deutsche Mannschaft bereits früh aus dem Turnier ausschied, stiegen interessanterweise die Werte zum TV-Konsum nochmal stark an. Die Ergebnisse der letzten Erhebungswelle weisen darauf hin, dass ein Großteil der Befragten trotz der geäußerten Kritik die restlichen Spiele bis zum Ende der WM im TV angeschaut haben. Während im Mai noch 40 % angaben, sich die Spiele im TV anzuschauen, waren es im Juni bereits 47% und im Juli sogar 51%. Wie Dr. Christopher Dick bestätigt, sei dies jedoch kein seltenes Phänomen im Sport. „Es kommt öfter vor, dass sich Fans über die zunehmende Kommerzialisierung, zum Beispiel in Form von hohen Preisen für Tickets oder TV-Abos beschweren, am Ende aber trotzdem konsumieren“.





