25.11.2021

Tempo-Liebhaberin auf Master-Kurs

Jessica vom Brocke ist ein Paradebeispiel für die Verbindung eines spannenden Berufs mit einem Studium an der IST-Hochschule. Die sportbegeisterte gebürtige Münchenerin ist seit vielen Jahren Physiotherapeutin beim Schweizer Skicross-Team und schreibt momentan an ihrer Master-Arbeit im Studiengang „Prävention, Sporttherapie und Gesundheitsmanagement“. Wir haben mit ihr über ihren aufregenden Job, ihr Studium und ihre Zukunft gesprochen.

IST: Jessica, Skicross ist sicherlich ein Sport, den nicht alle kennen. Wie bist Du dazu gekommen?
Jessica vom Brocke:
Skicross ist ein spektakulärer Sport und seit Vancouver 2010 Teil der olympischen Winterspiele. Vier Athleten fahren gleichzeitig auf einer Rennstrecke mit konzipierten Elementen wie Wellen, Steilwandkurven oder Sprüngen, bei denen man schon manchmal 40-50 Meter weit fliegt. Gekommen bin ich zu diesem Sport in erster Linie durch meine eigene Vergangenheit als Athletin im Alpinen Skisport und durch meinen ebenfalls sportaffinen Bruder. Die Zusammenarbeit mit der Schweiz hat sich tatsächlich zufällig von einem auf den anderen Tag ergeben. Zu dieser Zeit machte ich während meines Bachelorstudiums ein Praktikum beim Olympia-Stützpunkt in Garmisch-Partenkirchen und konnte dort als Physiotherapeutin unterschiedliche Teams und Disziplinen begleiten. Als ich bei der Skicross Mannschaft des Deutschen Skiverbandes bei einem Rennen in Frankreich aushalf, kam ich mit dem Trainer der Schweizer ins Gespräch, der auf der Suche nach einer Physio war. Zwei Wochen später, nach meinem Praktikum, stand ich dann bereits in Schweizer Montur auf der Piste.

Was fasziniert Dich an dem Sport?
Jessica:
Vor allem das Tempo und die körperlichen Fähigkeiten der Weltklasseathleten. Skicross ist ein sehr vielseitiger Sport. Es genügt nicht, ein guter Skifahrer zu sein. Man fährt nicht nur für sich selbst, sondern muss auch immer seine Gegner im Blick behalten. Windschatten kann dein bester Freund sein, gleichzeitig aber auch dein größter Feind. Ein taktisches Auge zu bewahren, kann schwierig sein, vor allem bei unterschiedlichen Schneeverhältnissen, Licht-Schatten-Wechseln und drei anderen Athleten neben, hinter oder vor dir. Nicht zu vergessen, bei 80 km/h alle Elemente sauber zu treffen und auch bei Fehlern nie aufzugeben. Skicross ist ein Sport, der wirklich erst im Ziel entschieden ist und genau das schätze ich.

Jessica vom BrockeDu bist in den Bergen aufgewachsen. Da war der Weg zum Skisport vermutlich kurz, oder?
Jessica:
Ich bin zwar in München geboren, aber im Landkreis Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen. Ich liebe die Natur und verbringe seit ich denken kann gerne meine Zeit draußen. Mein Motto „Berg an, Kopf aus“ beschreibt das wohl am Besten. Im Sommer fühle ich mich zu Fuß oder mit dem Bike sehr wohl zwischen den Bergen und bin froh, das Karwendelgebirge direkt vor der Haustüre zu haben. Ich bin mein erstes Skirennen mit knapp drei Jahren gefahren und habe seither nie die Freude am Schnee und am Tempo verloren. Rennen fahre ich heute natürlich keine mehr, aber ich trete jedes Jahr zu einem Riesenslalom-Duell mit meinen Skicrossathleten an. Wer langsamer ist als ich, muss dann etwas für das Team spendieren oder zum Beispiel in einem zugefrorenen See baden.

Als Physio versuchst Du Verletzungen vorzubeugen – worauf kommt es da beim Skicross besonders an?
Jessica:
Generell ist der Skisport in nahezu allen Disziplinen von Kreuzbandrissen geplagt. Präventiv zu arbeiten, ist hier leider auch schwierig. Die meisten Athleten absolvieren bereits im Kindes- und Jugendalter Trainingsprogramme zum Thema Sensomotorik, was ich persönlich auch in der Reha als sehr wichtig empfinde. Auch gezieltes Krafttraining kann ein Knie stabiler machen. Dabei kommt es aber auch eher auf das Zusammenspiel zwischen den jeweiligen Muskeln an. Die Innervation und Koordination innerhalb der Muskulatur spielt somit wiederum auf Nervenbasis eine wichtige Rolle. Besser präventiv zu handhaben sind chronische Schmerzen im unteren Rücken. Neben Rumpfkräftigung kann die Flexibilität trainiert und die Haltung geschult werden. Individuelle „Schwachstellen“ können dadurch ausgeglichen werden und somit den Rücken schützen. Speziell im Skicross sind Schädel-Hirn-Traumata leider auch ein immer wiederkehrendes Thema. Durch die konzipierten Elemente und den daraus resultierenden Luftstand, kann ein Aufprall gefährlich für den Hals- und Kopfbereich sein. Hierfür gibt es im gesamten Ski-Weltcup mittlerweile verpflichtend spezielle Helme, die vom Weltverband mit einem besonders hohen Sicherheitsstandard zertifiziert werden. Im Großen und Ganzen ist Skicross eine gefährliche Sportart, die sich aber dank Sicherheitsmaßnahmen wie Fangzäunen oder Innovationen wie Airbags im Rückenprotektor ständig weiterentwickelt. Das Risiko eines Sturzes wird im Vergleich zum Alpinen Sektor natürlich noch durch Fremdverschulden erhöht. Hierfür gibt es aber bei unfairem Handeln gelbe und rote Karten, die ggf. zur Disqualifikation führen.

Außerhalb der Skisaison hast Du ein Praktikum bei SportScheck absolviert. Wie kam es dazu?
Jessica:
Die ausschlaggebenden Punkte waren für mich der immer wieder betonte Sportbegriff und das Thema Gesundheitsmanagement. Im Bereich Human Resources gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen und sich weiterzuentwickeln. Die treibende Kraft war letztendlich, dass ich mich mit der gesuchten Personenbeschreibung und mit dem Unternehmen identifizieren konnte. Ich habe bei SportScheck weiterhin die Möglichkeit, meinen Urlaub und mein Gleitzeitkonto mit Swissski abzustimmen und somit bei Wettkämpfen weiter dabei zu sein. Das war mir sehr wichtig. Ich unterstütze hauptsächlich den Bereich Employer Branding und kann dort auch mein Wissen aus dem Gesundheitsmanagement in coole Projekte einfließen lassen. Die kreative Arbeit und das Projektmanagement machen mir großen Spaß. Der Sportbezug ist natürlich das i-Tüpfelchen am Unternehmen. Ich organisiere zum Beispiel Möglichkeiten zur gesunden Ernährung unserer Mitarbeiter oder betreue unsere neuen Azubis bei ihren Social Media Auftritten. Die Aufgaben sind sehr vielseitig, kreativ und flexibel, genau das gefällt mir am Unternehmen.

Das alles geschieht parallel zu Deinem Studium an der IST-Hochschule. Dort studierst Du seit 2019 den Master „Prävention, Sporttherapie und Gesundheitsmanagement“. Wie bekommst Du das unter einen Hut?
Jessica:
Mein Master befindet sich aktuell in der heißen Endphase, lediglich die Masterarbeit ist noch zu schaffen. Ich muss schon zugeben, dass besonders die Prüfungsphasen schon sehr intensiv sein können. Aber ich wusste bereits zu Beginn, dass ich im Sommer mehr Zeit und Energie für das Studium haben werde als im Winter. So nutzte ich die Möglichkeiten, die mir die IST von Anfang an kommunizierte und bastelte mir meinen eigenen Modul- und Prüfungsplan. Der große Vorteil hierbei war, dass ich in der Planung relativ flexibel agieren konnte und somit selbst im Winter kaum Terminkollisionen zu klären hatte. Ich bin ein Mensch, der generell sehr gut alleine lernen und sich organisieren kann. Gleichzeitig haben mich zum Beispiel während der Behandlung meine Athleten den Stoff für die nächste Klausur abgefragt. Ich hatte also von Seiten der IST und auch von Swiss Ski einen tollen Support!

Jessica vom BrockeWas macht für Dich das Studium aus, und warum hast Du Dich für IST entschieden?
Jessica:
Ich war einige Wochen auf intensiver Suche nach dem passenden Master-Studiengang für mich, für mein Profil und meine Anforderungen. Die IST hat mich dann letztendlich mit der Kombination aus Prävention, Sporttherapie und Gesundheitsmanagement überzeugt. Dieser Studiengang bietet viele Perspektiven in ganz unterschiedliche Richtungen. Was mich aber am meisten motiviert hat, war die Tatsache, dass ich einfach sehr flexibel und eigenständig meinen Studienverlauf planen kann und trotzdem einen spannenden und vielschichtigen Master dabei absolviere.

Dabei war der Einstieg eine ziemliche Nacht- und Nebelaktion.
Jessica:
Tatsächlich war mein Einstieg in den Master alles andere als gemütlich. Ich musste einen Brückenkurs aus dem BWL-Bereich absolvieren, da ich auf einem medizinischen Bachelor aufbaue. Die letzte Möglichkeit für das nächste Semester hatte ich aber zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme nur noch mit einer Prüfung in zwei Wochen. Ich war zu diesem Zeitpunkt bei einem Europacup in Frankreich. Da ich aber nicht noch ein Semester warten wollte, sendete die IST die Unterlagen aus den BWL-Fächern sofort zu meinen Eltern, die sie dann per Express nach Frankreich schickten. Letztendlich war ich für den Master aber so motiviert, dass ich die Zulassungsprüfung überraschend gut bestanden habe. Ich hatte in einer Woche gefühlt den BWL-Stoff eines gesamten Grundstudiums aufzuholen. Aber es hat sich gelohnt, ich konnte wie gewünscht meinen Master direkt starten.

Vorher hast Du bereits ein Bachelor-Studium „Physiotherapie“ absolviert. Siehst Du den Master als passenden Aufbau dafür?
Jessica:
Die Physiotherapie ist natürlich ein sehr praxisbezogenes Feld. Die Arbeit im Skisport ist dabei für mich mehr Vergnügen als Arbeit. Ich bin mein ganzes Leben lang früh aufgestanden, um auf der Skipiste zu stehen. So gesehen hat sich diesbezüglich nicht viel geändert. Ich habe auch neben dem Skiteam knapp 3 Jahre in einer klassischen Physiopraxis gearbeitet, weshalb ich sehr viel Respekt vor diesem Job habe. Gesundheitsberufe erfahren in Deutschland meiner Meinung nach leider nach wie vor zu wenig Wertschätzung, im Gegensatz zu beispielsweise Kanada oder der Schweiz. Ich habe mich persönlich im Sport einfach wohler gefühlt und bin sehr froh, auch viel Erfahrung aus dem Physiobereich beim Gesundheitsmanagement einfließen zu lassen. Der Master bietet einige Richtungen. Je nach Interesse kann man sich auch über die Wahlfächer spezialisieren und Trainerlizenzen absolvieren. So ist sowohl theoretisch als auch praktisch für jeden etwas dabei.

Kannst Du aus Deinem Studium Inhalte direkt in Deine Arbeit übernehmen?
Jessica:
Für die Arbeit mit dem Skicross Team waren für mich besonders die Module zum Thema mentale Gesundheit und Stress interessant und hilfreich. Als Physio ist man in gewisser Weise auch immer Psychologe.  Ich bin die letzte Person, mit der ein Athlet spricht, bevor er in einen Wettkampf startet. Meine Informationen sind essenziell und man benötigt viel persönliches Feingefühl. Im Master konnte ich auch einige Informationen aus dem BWL- und Marketing-Bereich mitnehmen. Besonders bei großen Events, verstehe ich jetzt die Abläufe besser und kann mein Team auch hier unterstützen.

Wo möchtest Du beruflich hin, was sind Deine Ziele?
Jessica:
Das ist eine sehr gute Frage. Tatsächlich kann ich sie nicht zu hundert Prozent beantworten. Ich liebe den Leistungssport und ich genieße im Gegenzug auch die kreative Projektarbeit. Im Idealfall schaffe ich es auch weiterhin, alles unter einen Hut zu bringen. Das Thema Selbstständigkeit steht natürlich auch immer wieder im Raum. Ich sehe mich mittlerweile weniger in einer klassischen Praxis, als in anderen Projekten. Zum aktuellen Zeitpunkt genieße ich die Reisen und Veranstaltungen, die mir Swiss Ski ermöglicht und versuche mich auch im Bereich Human Resources und Marketing weiterzuentwickeln. Mein Ziel ist es letztendlich, dass ich jeden Tag gerne arbeite und meine Gedanken und mein Handeln sinnvoll und freudebringend für andere einsetzen kann.

Vielen Dank für das schöne Gespräch, Jessica!