08.02.2022

Absolventenpreis 2021: „Inklusion hat positive Effekte auf alle“

In seiner Bachelor-Thesis hat Nico-Arthur Lange sich mit einem Thema auseinandergesetzt, mit dem er vorher noch nie in Berührung gekommen war: berufliche Inklusion in der Hotellerie. Umso bemerkenswerter, dass seine Analyse derart herausragend geworden ist, dass sie mit dem IST-Absolventenpreis 2021 ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch!

Seinen Weg in die Hotellerie fand Nico-Arthur Lange nach dem Abitur über ein Praktikum in einem familiengeführten 4-Sterne-Hotel Puerto Escondido, Mexiko. Hier verlor er nicht nur sein Herz an Südamerika, sondern auch an eine junge Frau. Gemeinsam mit ihr zurück in Deutschland erlebte er hautnah, wie schwierig der Einstieg in eine fremde Kultur und Gesellschaft ist.

Studium in Teilzeit für mehr Flexibilität
Nach der Rückkehr in Deutschland war klar, Lange wollte studieren. Mittlerweile aber an ein regelmäßiges Einkommen gewöhnt, suchte er nach einem Studienangebot, dass für einen Job im Gastgewerbe die notwendige Flexibilität mitbrachte. So fand der die IST-Hochschule und belegte den Studiengang „Tourismus Management“. Parallel konnte er sich als Schichtleiter an der Rezeption im Hotel Super 8 by Wyndham in Hamburg-Mitte beweisen.

Der 28-Jährige liebt die Arbeit im Hotel. „Kein Tag ist wie der andere“, schwärmt Lange. „Die Arbeit hat ihre saisonalen Höhepunkte, kann aber auch sehr stressig werden. Dennoch macht mir die Arbeit großen Spaß, besonders der Austausch mit den internationalen und nationalen Gästen. Ich bin, je nach Situation, in unterschiedliche Rollen: meistens bin ich Gastgeber, aber auch Seelsorger, Problemlöser, Dozent, Techniker und Concierge. Flexibilität ist das A und O, wenn man an der Rezeption arbeitet. Außerdem färbt das Urlaubsfeeling, das die Gäste ausstrahlen, natürlich auch auf die Arbeitsatmosphäre ab.“

Als das Studium sich dem Ende neigte, lag die Idee für ein Thema der Abschlussarbeit so gut wie auf der Hand. Mit Blick auf die Schwierigkeiten seiner Frau, in Deutschland auch beruflich Fuß zu fassen, wollte Lange genau diese Thematik wissenschaftlich beleuchten. Allerdings hatte sein Betreuer, Prof. Kempf, eine weiterführende Idee. Und da Lange offen für Neues ist und dieses Thema auch gesellschaftlich und für den Arbeitsmarkt relevant fand, führte er eine „Qualitative Studie zur beruflichen Inklusion in der deutschen Hotellerie“ durch.

Inklusion in der Hotellerie kaum vorhanden
„Inklusion betrifft uns alle. Denn die meisten Menschen werden nicht mit einer Behinderung geboren, sondern entwickeln sie im Laufe ihres Lebens, zum Beispiel durch Krankheiten oder Unfälle. Nur ein Bruchteil der Menschen wird mit einer Behinderung geboren. Durch den demografischen Wandel wird die Anzahl noch zunehmen“ erläutert Lange seinen Ansatz.

„Ich musste aber feststellen, dass es Inklusion in der Hotellerie so gut wie gar nicht gibt. Bei einigen Gesprächen, die ich führte, wussten einige Führungskräfte nicht einmal, was Inklusion bedeutet. Entsprechend schwierig war es, entsprechende Interviewpartner für meinen Praxisteil zu finden.“

Lange konzentrierte sich dann auf die wenigen Inklusionshotels. Diese haben sich der Inklusion verschrieben haben und entsprechend Menschen mit Einschränkungen ausbilden und beschäftigen.

„Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Beschäftigung von Menschen mit Einschränkungen in der Hotellerie möglich ist. Es müssen Barrieren erkannt und behoben werden“, fasst Lange die Ergebnisse seiner Analyse zusammen. „Die größte Barriere besteht weiterhin in den Köpfen der Leute, also in den Vorurteilen gegenüber Menschen mit Einschränkungen. Das schreckt viele Hotels davon ab, Inklusion zu betreiben.“

Aber im Grunde sei es für jedes Hotel möglich, sagt Lange. Mit der fachlichen und finanziellen Unterstützung der Ämter sollte die Inklusion gelingen. Und manchmal ist es auch ganz einfach. Ich hatte ein Inklusionshotel als Interviewpartner, das Menschen mit kognitiven Einschränkungen beschäftigt. Ihnen fällt es schwer, zu lesen und zu schreiben. Sie wurden im Housekeeping eingesetzt und arbeiten dort mit Reinigungsmitteln. Daraufhin wurde ein Karteikartensystem entwickelt, an denen die Mitarbeiter anhand von Bildern erkennen, welche Reinigungsmittel sie für welchen Bereich nutzen müssen.“

Inklusion verbessert das Arbeitsklima
Inklusion hat auch einen positiven Effekt auf das Arbeitsklima im Hotel, hat Lange rausgefunden. Der Zusammenhalt innerhalb des Teams sei größer, die Mitarbeiter loyaler und insgesamt würde ein herzlicher Umgang miteinander gepflegt.

„Darüber hinaus kann eine gesamte Belegschaft von Inklusion profitieren. So wurde beispielsweise in einem Inklusionshotel der zusätzliche Urlaubsanspruch aufgrund der Gleichbehandlung auf alle Mitarbeiter ausgeweitet. Außerdem die ergonomische Ausgestaltung von Büros, die es einem Mitarbeiter mit Einschränkung erst ermöglicht, produktiv zu arbeiten. Davon profitieren alle im Sinne des Gesundheitsschutzes, denn eine ergonomische Verbesserung des Arbeitsplatzes ist ein ‚Must-Have‘ für die Mitarbeiter mit und ein ‚Nice-to-Have‘ für Mitarbeiter ohne Einschränkung.“

Außerdem kann ein Arbeitgeber im Rahmen der sozialen Nachhaltigkeit positive Imageeffekte generieren.

Auf dem Weg ins Personalmanagement
Perspektivisch möchte Nico Lange nun, mit dem Bachelor-Abschluss im Gepäck, ins Personalmanagement wechseln, da seine Neugier geweckt ist und er hier konkret Handlungsbedarf sieht.

„Gerade in der Hotellerie ist es für den langfristigen Erfolg wichtig, gut ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen, zu halten und zu binden“, erklärt Lange. „Und in diesem Bereich möchte ich mich gerne engagieren.“

Wir wünschen Nico-Arthur alles Gute und viel Erfolg für seinen weiteren Weg.