05.01.2022

Melanie Behringer

Olympiasiegerin mit Wissensdurst

Auf dem Höhepunkt der Karriere abzutreten, ist ein Ziel, das Sportlerinnen und Sportler länder- und generationenübergreifend eint. Es ist allerdings auch ein Privileg, das nur wenigen zuteil wird. Melanie Behringer hat das geschafft. Nun arbeitet die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin, mehrfache Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin an der Karriere nach dem Fußball – unter anderem mit einem Studium an der IST-Hochschule für Management.

Die Uhr schlug ziemlich genau Mitternacht, als Melanie Behringer am 19. August 2016 im legendenumwobenen Maracanã – dem Nationalstadion Brasiliens in Rio de Janeiro – das Feld verließ. 70 Minuten waren gespielt im Finale der Olympischen Spiele, Deutschland führte 2:1 gegen Schweden und für die letzten Minuten sollten noch einmal frische Beine ins Spiel. Es war das 123. Länderspiel der damals 30-Jährigen – und es sollte das letzte in ihrer Karriere im DFB-Trikot sein.

„Wie könnte es schöner sein?“
„Die Entscheidung ist ehrlich gesagt direkt nach dem Schlusspfiff gegen Kanada im Halbfinale gefallen. Glücklicherweise habe ich 2008 in Peking bereits Olympia-Bronze gewinnen dürfen, und daher war für mich das Erreichen des Finales schon ein Wahnsinns-Erfolg und eigentlich nicht zu toppen“, erzählt Behringer. Gegen Kanada hatte sie die deutsche Elf mit ihrem fünften Turniertreffer auf die Siegerstraße gebracht. Zu toppen war das Erlebnis dann allerdings doch noch – schließlich gewann Deutschland wenige Tage später auch das Finale und die gebürtige Wiednerin krönte sich zur treffsichersten Akteurin des Turniers. „Als Olympiasiegerin und Olympia-Torschützenkönigin die Nationalmannschaftskarriere zu beenden – wie könnte es schöner sein?“

Behringer genoss den Moment auch deshalb so intensiv, weil sie zuvor erlebt hatte, dass es auch im Sport nicht immer bergauf geht. Drei Jahre zuvor bei der EM in Schweden kam sie – als erfahrene Führungsspielerin – lediglich auf 20 Spielminuten. „Dieses Turnier hat mich sehr geprägt. Umso schöner war es für mich, dass ich mich wieder zurückkämpfen konnte“, sagt die ehemalige Mittelfeldspielerin deshalb stolz.Melanie Behringer

Weiterbildung – Ausbildung – Studium
Während Melanie Behringer auf Vereinsebene beim FC Bayern München noch weiterspielte, kümmerte sie sich bereits um die Karriere nach der Karriere. Bereits 2006 hatte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen, später folgte am IST-Studieninstitut eine Weiterbildung zum Sportfachwirt. Doch damit war der Wissensdurst noch nicht gestillt. Vor kurzem hat die Trägerin des Silbernen Lorbeerblattes den Bachelor „Fitness and Health Management“ an der IST-Hochschule erfolgreich absolviert.

„Das Fernstudium an der IST ist für den Profibereich von großem Vorteil, da man sehr flexibel lernen kann und nur selten fixe Termine hat. Meine Erfahrungen sind durchweg positiv. Besonders gefallen hat mir natürlich das flexible Lernen. Ohne feste Zeiten wird einem das Studieren sehr erleichtert. Zusätzlich hatte ich eine gute Betreuung und bei Fragen oder Problemen wurde mir immer sofort geholfen“, blickt Behringer zurück.

„Die Kraft des Fußballs nutzen, um Gutes zu tun“
Inzwischen ist die Laufbahn nach dem aktiven Spielen in vollem Gange. Nach dem endgültigen Karriereende 2019 arbeitete die ehemalige Nationalspielerin für den Skiverband Schwarzwald und sammelte Trainererfahrungen bei den U-20 Frauen des SC Freiburg. Momentan ist sie beim Deutschen Fußball-Bund als Co-Trainerin für die U17-Nationalmannschaft verantwortlich: „Es macht mir sehr viel Spaß mit jungen Spielerinnen zu arbeiten. Sie sind total wissbegierig, versuchen die Vorgaben immer bestmöglich umzusetzen und sind mit großer Begeisterung dabei. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in diesem Bereich zu bleiben.“

Teilweise mehrere Jobs gleichzeitig, dazu ein Studium auf der Zielgeraden – dennoch fand Melanie Behringer Anfang des Jahres Zeit dafür, eine weitere Herzensangelegenheit voranzutreiben. Schon in der Vergangenheit engagierte sich die mittlerweile 36-Jährige für verschiedene Projekte im sozialen Bereich – blickte immer über den Tellerrand des Profisports hinaus. Im Januar 2021 gründete sie mit zehn Mitstreitern, darunter ehemalige und aktuelle Profifußballer und Profifußballerinnen, den Verein „Charity11“. „Unser Ziel ist es, Profifußball und soziales Engagement noch mehr zu verbinden. Wir möchten die Kraft des Fußballs nutzen, um in der Gesellschaft Gutes zu tun.“ Wahrscheinlich ein noch größeres Ziel als das, das Melanie Behringer 2016 auf dem Rasen des Maracanã erreicht hat.